Garagenstreit auf zwei Ebenen

6. März 2006, 19:12
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Ergebnisse des Bezirksvorstandes für oder gegen die Garage ausständig

Wien – Punkt 12 Uhr wird am Dienstag das Ergebnis der Anrainerbefragung von Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel (VP) für/gegen die Tiefgarage am Neuen Markt im Alten Rathaus präsentiert. Ob die Stadt Wien nun die Tiefgarage bauen wird, das ist nach der Auszählung der Stimmzettel nicht entschieden. Denn wegen der Tiefgarage befinden sich Anrainer und Geschäftsinhaber im Wechselbad der Gefühle. Das bewog am Montag die Befürworter ("Pro Neuer Markt") und Gegner ("Bürgerinitiative Neuer Markt") der Tiefgarage fast zeitgleich und am gleichen Ort Pressekonferenzen abzuhalten: In zwei Stockwerken des Hotels Ambassador.

Pro und Kontra Die Initiative "Pro Neuer Markt" hat die Auswertung ihrer eigenen Umfrage präsentiert, wonach 79 Prozent (4,8 Prozent Rücklauf von 4000 verschickten Fragebögen) der Befragten im ersten Bezirk für den Bau sind. Im Gegensatz zur Befragung von Stenzel sei diese Umfrage "neutral" erfolgt, sagte Initiativen-Sprecher Peter Hoffman-Ostenhof, der mit "Dancing Star"-Marika Lichter, selbst leidgeplagte parkplatzsuchende City-Bewohnerin, eine prominente Fürsprecherin fand. Zur Stenzel-Umfrage sagte er: "Da wird nach dem Motto gefragt, sind Sie gegen die Garage, Ja oder Ja?"

"Politisch umstritten"

Tatsächlich lässt es sich bei dem Fragebogen schwer entscheiden, welche Antwort von vieren man am ehesten wählt. Denn eine Variante stellt den – neuen – Kurs der Bezirksvorstehung dar (die ursprünglich für die Garage war): "autofreie Gestaltung", "Grünflächen" und "verkehrsberuhigte Wohnstraßen mit Parkplätzen in Seitengassen". Dem werden Schreckensszenarien gegenüber gestellt, die der Bau einer Tiefgarage nach sich ziehe: "drei- bis vierjährige Bauzeit", "150 Anrainerparkplätze á 95 Euro von 350 geplanten", "keine Grünfläche, da Garagenoberflächen nicht bepflanzbar". Bei der Pro-Garagen-Umfrage führen etwas unkonkrete und "informative" Fragen zum Ergebnis: "Wie sie vielleicht wissen, ist die Garage politisch umstritten."

Die "Bürgerinitiative Neuer Markt", mit dem engagierten Schauspieler Herbert Fux als Fürsprecher, vertritt Stenzels Linie. Ein Hauptargument gegen die Garage ist, dass andere Tiefgaragen in der Umgebung unausgelastet seien und die Innenstadt durch die neue Garage Anziehungspunkt für mehr Verkehr, mehr Feinstaub und Lärm bedeute. (Marijana Miljkovic, DER STANDARD Printausgabe, 07.03.2006)

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