Schnee bleibt heuer länger liegen

9. März 2006, 15:48
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Menge teils unterdurchschnittlich, höhere Kosten durch Mobilität - Mit Ansichtssache

Wien – Tausende Haushalte ohne Strom, nach Schneestürmen gesperrte Autobahnen, einstürzende Dächer: Schlagzeilen, die diesen Winter alle paar Wochen die Lage in Österreich und Mitteleuropa beschreiben – zuletzt am Wochenende. Die Härte des Winters, der aus Sicht der Meteorologen übrigens am 1. März geendet hat, ist regional aber höchst unterschiedlich.

Schneemenge nicht ungewöhnlich

In Wien sind die 75 Zentimeter Schnee, die in der Saison 2005/06 gefallen sind, nur 85 Prozent des langjährigen Schnitts. Auch in Westösterreich ist die Schneemenge durchaus nicht ungewöhnlich. Eine viel wesentlichere Rolle für die Schäden und die öffentliche Wahrnehmung spielen dagegen die niedrigen Temperaturen – der gefallene Schnee bleibt länger liegen. In der Bundeshauptstadt wurde an 75 Tagen eine Schneedecke registriert, um fast ein Monat länger als im Schnitt. Ähnlich in Kremsmünster: Fallen dort durchschnittlich 91 Zentimeter Schnee, waren es heuer schon 2,25 Meter. Und die lagen nicht wie üblich 56, sondern 101 Tage auf dem Boden.

Vier Grad wärmer

Wer auf Witterungsbesserung durch die Erderwärmung hofft, wird enttäuscht. Strenge Winter und Klimawandel schließen einander nicht aus, erläutert der Wiener Klimaforscher Herbert Formayer: "Weltweit soll es in den kommenden 80 Jahren um rund vier Grad wärmer werden. Für das Weltklima ist das sehr viel – dennoch weniger als die acht Grad Spannbreite der heimischen Winterdurchschnittstemperaturen, die zum Beispiel zwischen 1961 und 1990 gemessen worden sind."

Wetter immer persistenter

Mit einem anderen Klimaphänomen stehen laut dem Ko-Autor des "Schwarzbuchs Klimawandel" die extremen Mengen Schnee in Zusammenhang, die in diesem Winter manchmal binnen Stunden vom Himmel fielen: Das Wetter in Europa werde immer persistenter. "Im Grunde herrscht seit vergangenen November die gleiche Wetterlage: Hochdruckgebiet über den britischen Inseln, niederschlagreiche Fronten über den heimischen Staulagen." Wobei der Experte die zunehmenden Schneeschäden und die immer höheren Räumkosten auch mit "unserer mobileren Lebensweise" in Zusammenhang stellt: "Bei der heutigen Pendlerquote muss jedes kleine Alpental rund um die Uhr befahrbar sein, egal wie viel Schnee liegt." (bri, moe, DER STANDARD Printausgabe, 07.03.2006)

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