Musharraf: "Karzai merkt gar nicht, was in seinem Land vor sich geht"

18. März 2006, 09:59
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Heftige Attacken auf afghanischen Präsidenten

Washington - Pakistans Präsident Pervez Musharraf hat seinen afghanischen Kollegen Hamid Karzai für dessen Haltung im Kampf gegen den Terrorismus scharf kritisiert. Er sei schwer enttäuscht vom afghanischen Geheimdienst, zumal einige Agenten "sehr, sehr bewusst" versuchten, Pakistan zu verleumden, sagte Musharraf am Sonntag im US-Fernsehsender CNN. "Und Präsident Karzai merkt nicht einmal, was in seinem eigenen Land vor sich geht."

Karzai müsste die Mitarbeiter des afghanischen Geheimdienstes und Verteidigungsministeriums um sich scharen und sich mit den pakistanischen Geheimdiensten absprechen, sagte Musharraf. Dazu gehöre auch, geheimdienstliche Informationen und Kontakte "unverzüglich zu übermitteln und nicht monatelang - auf einen Präsidentenbesuch - zu warten", um sie zu übergeben.

Alte Informationen

Musharraf bezog sich auf den Besuch von US-Präsident George W. Bush in Afghanistan und Pakistan Ende vergangener Woche, bei dem Afghanistan laut Presseberichten Informationen an Pakistan weitergereicht haben soll. "Sie haben uns eine Liste gegeben", sagte Musharraf zu CNN. "Zwei Drittel auf dieser Liste waren Informationen, die mehrere Monate alt und hinfällig sind, da ist nichts", kritisierte der Präsident. "Zwei Drittel der Telefonnummern sind tot." Er frage sich, wieso das Nachbarland Afghanistan "bis zu einem Präsidentenbesuch" gewartet habe, um ihm die Liste zu übergeben. "Was hat sie daran gehindert, mir diese Nummern gleich zu geben?"

Führende afghanische Regierungsmitarbeiter hatten Pakistan wiederholt vorgeworfen, die Augen vor Trainingslagern der radikalislamischen Taliban auf seinem Gebiet zu verschließen. Außerdem unterstellten sie, dass gewisse Kreise in Pakistan die radikalen Moslems unterstütze, die hinter dem Aufstand und den Kämpfen in Afghanistan stecken. Die pakistanische Regierung hatte die Taliban-Regierung vor den Terroranschlägen von Al Kaida am 11. September 2001 unterstützt; nach den Anschlägen wandte sich Islamabad aber den Vereinigten Staaten zu, die mit Unterstützung ihrer Verbündeten in Afghanistan einmarschierten und die radikalislamische Regierung in Kabul stürzten. (APA)

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