Sonntag: Das 276. Wiener Derby

3. März 2006, 17:48
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Zellhofer: "Austria ist es nicht gewohnt, wenn sie unter Druck gesetzt wird" - Schinkels: "Werde nicht von Hickersberger bezahlt"

Wien - SK Rapid sucht im 276. Wiener Derby am Sonntag (15:30 Uhr/live Premiere) im Happel-Stadion sein Heil in der Offensive. Zwar gelang den Hütteldorfern in ihren bisherigen beiden Frühjahrsauftritten im Spiel nach vorne nicht viel, das soll sich aber gegen die Austria ändern. "Nur abzuwarten, wäre gegen die Austria nicht die richtige Wahl", erklärte Trainer Georg Zellhofer.

Der zuletzt gesperrte Bazina kehrt in die Mannschaft zurück und wird wohl hinter den Spitzen Kincl und Akagündüz agieren, außerdem sollen der wiedergenesene Hlinka sowie Martinez für ein druckvolles Pressing sorgen. "Gegen die Austrianer sind die meisten Gegner auf Defensive bedacht. Sie sind es nicht gewohnt, wenn sie unter Druck gesetzt werden. Das wäre eine Möglichkeit, sie zu Fehlern zu zwingen", spekulierte Zellhofer.

Offensive birgt Gefahren

Die "Flucht nach vorne" birgt aber einige Gefahren. Wie der Oberösterreicher eingestand, fehlte bei Rapid bisher sowohl die Stabilität in der Abwehr als auch die Kreativität in der Offensive. "Wir haben unsere Probleme, aber auch die Qualität, dass wir das wieder in die richtige Richtung biegen."

Trotz der jüngsten 1:3-Auswärtsniederlage gegen den GAK kommt das Derby laut Zellhofer zum richtigen Zeitpunkt. "Wir sind sehr zuversichtlich und hoffen auf ein gutes und für uns erfolgreiches Derby", sagte der Hickersberger-Nachfolger und hofft auf die mentale Stärke seiner Spieler. "Wichtig ist die innere Einstellung, das Spiel unbedingt gewinnen zu wollen."

Roman Wallner bei Austria fraglich

Ein schwieriges Unterfangen, haben die Favoritner doch in den vergangenen acht Partien weder Tor noch Niederlage kassiert, die Saison-Derbys verliefen für die Violetten bisher allerdings nicht nach Wunsch. "Im ersten Derby (1:3/Hanappi) war Rapid klar besser, das zweite (0:2/Horr-Stadion) hatte nicht viel mit Fußball zu tun, da waren wir konfus und die Gegner hatten die besseren Nerven", erinnerte sich Austria-Trainer Frenkie Schinkels an die unschönen, von massivem Polizei-Einsatz begleiteten Nachwehen der leidigen "Didulica-Lawaree"-Affäre am Verteilerkreis.

Schinkels gibt sich ob des Ausganges vorsichtig. "Es wird genauso schwer wie zuletzt gegen Sturm Graz, der Unterschied wird diesmal nur die Zuschauer-Kulisse mit 20.000 bis 25.000 sein." Im Gegensatz zu den ersten zwei Spielen (2:0 in Innsbruck, 0:0 gegen Sturm) dieses Jahres wartet der Trainer mit seiner Aufstellung ab. Auch deshalb, weil er sein System "ein bisschen ändern" wird. Ernst Dospel fehlt wegen seines Becken-Problems weiter, Roman Wallner musste das Training wegen einer Magen-Darm-Grippe abbrechen und ist fraglich.

"Wir spielen 4-1-5"

Die Kritiken an seinem nur auf dem Papier existierenden Ein-Mann-Sturm kann Schinkels nicht nachvollziehen und begegnet ihnen daher mit einer etwas zynischen Ankündigung: "Diesmal spielen wir 4-1-5." Und auf die Tatsache, dass zuletzt zweimal kein Österreicher in der Startformation gestanden war, konterte er: "Ich werde ja nicht von Herrn Stickler oder Herrn Hickersberger bezahlt." Dass Angreifer Roland Linz nicht erste Austria-Wahl ist, sehe er tagtäglich im Training. "Da ist Sigurd Rushfeldt derzeit einen Schritt vorne," meint Schinkels.

Neben dem "geänderten" System sollen laut dem gebürtigen Niederländer nur Kleinigkeiten verbessert werden. "Im 16er müssen wir aggressiver werden, den letzten Pass und von hinten heraus besser spielen sowie in mit höherem Tempo agieren, weil sich dann der Gegner schwerer tut."

17.100 Karten abgesetzt

Echtes Gänsehaut-Feeling wird im Happel-Stadion nur schwer aufkommen. Bis Freitagvormittag waren 17.100 Karten abgesetzt, die von Rapid angepeilte Marke von 25.000 Zuschauern wird sich wohl nicht ausgehen. Jene, die den Weg ins Prater-Oval finden, werden nicht zuletzt auf Grund des Konfliktes zwischen Lawaree (der nicht von Beginn an spielt) und Didulica mit erheblichen Sicherheitsvorkehrungen konfrontiert.

Ein Großaufgebot an Ordnern und Polizisten soll ähnliche Szenen wie im Horr-Stadion verhindern, als wegen eines Feuerwerkshagels auf Didulica mit 30-minütiger Verspätung angepfiffen werden musste. Außerdem erhält laut einer neuen Bundesliga-Regelung jeder, bei dem am Stadioneingang eine Leuchtrakete gefunden wird, eine österreichweite Stadionsperre von sechs Monaten. Wer beim Abfeuern eines solchen Utensils entweder von Einsatzkräften oder durch die Videoüberwachung ertappt wird, muss den österreichischen Fußball zwei Jahre lang ausschließlich vor dem Fernseher mitverfolgen.(APA)

SONNTAG:

  • SK Rapid Wien - FK Austria Magna (Happel-Stadion, 15:30 Uhr, SR Lehner). Bisherige Saisonergebnisse: 3:1 (h), 2:0 (a). Derby-Bilanz nach 275 Duellen (inklusive Cup und Supercup): Rapid 116 Siege, Austria 101 Siege, 58 Remis

    Rapid: Payer - Markus Hiden, Bejbl, Martin Hiden, Adamski - Garics, Bazina, Hlinka, Martinez - Kincl - Akagündüz. Ersatz: Hedl - Dober, Burgstaller, Korsos, St. Kulovits, Dollinger, Lawaree Es fehlen: Valachovic (gesperrt), Katzer (Stirnhöhleneiterung)

    Austria: Didulica - Troyansky, Tokic, Radomski, Papac - Dos Santos, Blanchard, Vachousek - Sebo, Ceh - Rushfeldt. Ersatz: Safar - Kiesenebner, Wallner, Linz, Antonsson, Sionko, Metz Es fehlen: Dospel (Entzündung im Hüftbereich), Hill, Dheedene, Schiemer, Mila, Lasnik, Janocko, Parapatits, Ulmer, Schragner (nicht im Kader) Fraglich: Wallner (Magen-Darm-Grippe)

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