Strache von Schülerin abmontiert

10. März 2006, 20:23
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Die FP klagte eine junge Wienerin, die ein "islamfeindliches" Wahlkampfplakat entfernt hatte

Wien/Linz - Heinz-Christian Strache lässt sich nur ungern abmontieren. Wenn es um Plakate mit seinem Konterfei geht, kann der FPÖ-Bundesparteiobmann nicht Gnade vor Recht ergehen lassen. Also musste sich vor Kurzem eine angehende Studentin aus Wien vor Gericht verantworten, weil sie vergangenen Herbst ein ihrer Meinung nach "rassistisches und islamfeindliches" Wahlkampfplakat der FPÖ entfernt hatte.

Andere Parteien sahen in der plakativen Botschaft "Wien darf nicht Istanbul werden" zwar ebenfalls diskriminierende Tendenzen, griffen im Gegensatz zu der Schülerin jedoch nicht direkt ein. Aus freiheitlicher Sicht ist die junge Frau damit vom rechten Weg abgekommen, auf den nur ein Strafprozess wegen Sachbeschädigung wieder zurückführen konnte. Eingeklagt wurde ein Schaden von 1300 Euro. Rechtsanwalt Lennart Binder gelang es, die Richterin davon zu überzeugen, dass das Plakat maximal 150 Euro Wert war. Der Fall endete mit Diversion, die junge Antifa-Aktivistin muss gemeinnützige Arbeit leisten.

Blaue Großzügigkeit

Aber nicht immer zeigt sich Heinz-Christian Strache zimperlich. Im Gegenteil: Dem Polizisten, der im August 2002 in der Wiener Innenstadt den psychisch kranken Kurden Binali I. erschossen hatte, griff der blaue Boss beispielsweise mit 6.500 Euro unter die Arme.

Wie DER STANDARD berichtete, wurde der Revierinspektor im Vorjahr vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen rechtskräftig frei gesprochen. Übrig blieben jedoch Anwaltskosten in der Höhe von 14.000 Euro, berichtet Blaulicht, das Magazin der Exekutivvereinigung "Aktionsgemeinschaft Unabhängiger und Freiheitlicher". Die FPÖ habe schließlich einen Teil der offenen Rechnung finanziert.

In Linz wurden diese Woche auch Aufkleber der FPÖ-Vorfeldorganisation Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ) entfernt: Unter Mitgliedern und Sympathisanten wurden unzählige Aufkleber mit der Aufschrift "Keine Kopftücher an Linzer Schulen" verteilt. Zwei davon landeten zu Wochenbeginn just am Eingang der Linzer Otto-Glöckel-Schule.

"Kopftuchstreit"

Dort hatte Ende Jänner ein "Kopftuchstreit" für Wirbel gesorgt. Muslimische Väter hätten laut einer Pädagogin eine Kopftuchpflicht für Lehrerinnen gefordert. Der "Muslimische Lehrerverein" (MLV) dementierte, vielmehr habe die Lehrerin eine Schülerin aufgefordert, ihr Kopftuch abzulegen, hieß es.

Ein muslimischer Vater bemerkte nun die Aufkleber am Schuleingang. Die Direktorin erstatte nach Entfernung der Pickerln umgehend Anzeige. Der RJF geht auf Distanz: "Wir haben die Aufkleber lediglich verteilt, es war nie als Aktion gegen die Schule gedacht", wehrt sich Detlef Wimmer, RFJ-Bezirksobmann in Linz. (DER STANDARD, Printausgabe, 2.3.2006)

Von Michael Simoner und Markus Rohrhofer
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