Lehrer-Gewerkschaften kritisieren Haider scharf

7. Juni 2006, 11:34
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Lehrer werfen Haider "Abgehobenheit" und "Praxisferne" vor - Mit Schulpaketen "genug zu tun" - SP-Kritik an PISA-Broschüren

Die Lehrer-Gewerkschaft hat den Österreich-Koordinator der PISA-Studie, Günter Haider, am Dienstag scharf angegriffen. In einer Aussendung fordert die Arbeitsgemeinschaft der Lehrer in der Gewerkschaft öffentlicher Dienst (GÖD) Haider auf, "seinen wissenschaftlichen Auftrag nicht mit persönlichen und parteipolitischen Präferenzen sowie bildungspolitischem Agitieren ohne demokratische Legitimation zu vermischen".

"Profilierungsaktionen"

Die aus den fünf Lehrer-Gewerkschaften in der GÖD bestehende Arbeitsgemeinschaft weist "persönliche und parteipolitische Profilierungsaktionen auf Kosten des guten Rufes unserer Schüler sowie auf Kosten der guten Arbeit von Österreichs Lehrern entschieden zurück". Die Personalvertreter glauben schon in der Präsentation der Ergebnisse der internationalen Bildungsvergleichsstudie PISA "die Absicht erkannt" zu haben, "die hervorragenden Leistungen der Schüler und Lehrer möglichst negativ darzustellen". Überprüfungen der statistischen Grundlagen des Zahlenwerks der Untersuchung sowie der Rahmenbedingungen bei der Auswahl der geprüften Schüler würden"zu berechtigtem Zweifel über das wissenschaftliche Fundament der Untersuchung" führen, meinen die Gewerkschafter.

"Praxisferne"

Aus der Sicht der "Bildungspraktiker", und das seien die Lehrer, hätten die von Haider erhobenen schulorganisatorischen Forderungen keine Priorität. Die Lehrergewerkschafter werfen Haider "Abgehobenheit" und "Praxisferne" vor. Der österreichischen Schule Stillstand vorzuwerfen - Haider hatte vergangene Woche bei einer öffentlichen Klubsitzung der Grünen gemeint, man müsste bei den angekündigten Schulreformen "in der Diskussion eigentlich schon weiter sein" - sei "höchst unfair". Die Lehrer und Schulen hätten derzeit mit der Umsetzung von zwei Schulpaketen "genug zu tun".

In Ruhe arbeiten

Mit seiner Teilnahme bei Klubsitzungen politischer Parteien habe Haider "den Weg der wissenschaftlichen Unabhängigkeit endgültig verlassen", er greife damit in den beginnenden Wahlkampf ein. "Das Beste, was man für unsere Schulen tun kann ist, uns mit den nötigen Ressourcen in Ruhe arbeiten zu lassen", heißt es in der Aussendung.

Die Kärntner SPÖ kritisiert die von GÖD und Bildungsministerium herausgegebenen Broschüren zur Vorbereitung auf die Tests für die nächste PISA-Studie, die ab April durchgeführt werden. Damit werde der PISA-Ball an die Eltern abgespielt. Viel zu viele dringende Reformmaßnahmen im Bildungsbereich seien in den letzten Jahren trotz Ankündigung versäumt worden, so NR-Abgeordnete Christine Muttonen in einer Aussendung. (APA)

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