Vino Nobile di Montepulciano

6. März 2006, 16:20
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Wieder einmal zeigt sich, dass die Gleichung „heißes Jahr ist gleich super Weine“ nicht immer eins zu eins aufgeht

Vino Nobile di Montepulciano hat jahrhundertelange Tradition und war 1980 der erste Wein, der in Italien unter DOCG, der kontrollierten und garantierten Herkunftsbezeichnung, auf den Markt kam. Während der im 2005 präsentierte Jahrgang 2002 noch ziemlich begeisterte, weil gar nicht wenige aus dem schwierigen Jahrgang wirklich saftige und elegante Weine herausholten (was sich übrigens auch in guten Verkaufszahlen niederschlug), ist der Jahrgang 2003 differenzierter zu sehen: Einige Weine fielen hart und/oder „likörig“ und überreif aus. Wieder einmal zeigt sich, dass die Gleichung „heißes Jahr ist gleich super Weine“ nicht immer eins zu eins aufgeht. Unter den Rossi di Montepulciano, dem kleine Bruder des Vino Nobile, aus dem eleganteren Jahrgang 2004 waren einige schöne süffige und elegante Weine zu finden. 35 Betriebe präsentierten in der Fortezza di Montepulciano, einer charmanten Location, von der aus der Blick in den Verkostungspausen über die – heuer leider sehr verregnete - Umgebung schweift.

Auch beim Vino Nobile gibt es das moderne und traditionelle „Lager“ der Weintypen, allerdings scheint es, als ob man sich hier der Traditionen und Typizität stärker bewusst ist als in anderen Gebieten der Toskana und sie auch mehr respektiert. Als konstante Größe sind mindestens 70 Prozent Sangiovese (Prugnolo gentile) in der Cuvée, dazu kommen entweder weitere lokale Sorten wie Canaiolo (maximal 20 Prozent) und Mammolo oder Merlot und/oder Cabernet Sauvignon, durchaus beliebt ist auch eine Kombination aus lokalen Sorten und Merlot. Der Rosso unterscheidet sich vom Vino Nobile vor allem in der Zeit der Lagerung, für die je nach Philosophie des Weingutes Barriques (225 Liter), tonno (350 bis 500 l), botti (große Holzfässer, die 1000 l und mehr haben können) oder auch eine Mischung daraus verwendet werden: Während Vino Nobile eine mindestens zweijährige Lagerzeit (ab dem Stichtag 1. Jänner nach der Ernte) einhalten muss, wobei der Produzent unter mehreren Gefäß-Varianten wählen kann, darf der Rosso laut Bestimmung „nicht vor 1. März des auf die Ernte folgenden Jahres“ auf den Markt gebracht werden. Die zugelassen Rebsorten und jeweiligen Anteile entsprechen denen des Vino Nobile, während die Erträge pro Hektar höher sind als beim Nobile, dafür sind Mindestalkoholgehalt und Extrakt geringer.

Besonders gefallen bei der diesjährigen Präsentation haben die Nobile von Poliziano, einer verlässlichen Größe, Dei, mit einem sehr balancierten, fruchtbetonten Wein, außerdem Villa Santa Anna, Cantine Innocenti und dem fein nach Veilchen und Erde duftenden und schmeckenden Tenuta Il Faggetto, deren Rosso aus 100 Prozent Sangiovese ebenfalls überzeugte. Weitere erfreuliche Rossi di Montepulciano: Poggio alla Sala, Le Casalte, Godiolo, Avignonesi und Gracciano Svetoni.

  • Artikelbild
    foto: consorzio di vino nobile di montepulciano
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