Acht Kommunalpolitiker in Hotel erschossen

9. März 2006, 14:23
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Rebellenüberfall auf Gemeinderatssitzung

Bogota - Linke Rebellen der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) haben im Süden des lateinamerikanischen Landes bei einem Massaker unter Zivilisten acht Kommunalpolitiker während einer Sitzung des Gemeinderates erschossen. Der Überfall am Montag in einem Hotel in der Kleinstadt Rivero (Provinz Huila) war offenbar Teil einer Offensive der Rebellen, der seit der vergangenen Woche etwa 50 Menschen zum Opfer gefallen sind.

Damit wollen die marxistischen FARC-Rebellen nach Einschätzung politischer Beobachter in Bogota die sich abzeichnende Wiederwahl von Präsident Alvaro Uribe im Mai verhindern. Dessen Popularität stützt sich unter anderem auf Erfolge bei der Bekämpfung der FARC. Uribe äußerte sich bestürzt über die Morde.

Handgranaten

Der Gemeinderat war wegen Baulärms im Rathaus kurzfristig in ein nahe gelegenes Restaurant umgezogen. Dort seien zunächst zwei als Militärs verkleidete Guerilleros aufgetaucht und hätten vorgegeben, sie sollten wegen eines drohenden Überfalls die Leibwächter der Politiker beim Schutz der Versammlung unterstützten. Nach einigen Minuten hätten sie aber ein Kommando der Rebellen in das Gebäude geschleust und das Feuer eröffnet. Um die Polizei abzulenken, warfen sie mehrere Handgranaten. Nur vier Anwesende hätten überlebt, sagte der Leiter des kolumbianischen Gemeindetages, Oscar Nunez.

Nunez geißelte die Tat als weiteren schweren Verstoß der FARC gegen die Normen des Internationalen Menschenrechts, das Angriffe auf Zivilisten verbiete. Erst am Samstag hatten FARC-Leute in der Nachbarprovinz Caqueta einen Autobus beschossen und dabei neun Insassen getötet sowie mindestens elf weitere schwer verletzt. Anschließend versuchten sie nach Zeugenaussagen, den Bus mit den Toten und Verletzten in Brand zu stecken.

Die Revolutionären Streitkräfte bilden die älteste Rebellengruppe Kolumbiens. Ihnen sollen rund 20.000 bewaffnete Männer und Frauen angehören.

Die Vereinten Nationen verurteilten den Angriff auf die Gemeindevertreter in dem Hotelrestaurant scharf. Kolumbien solle aber auch seinen Vorbehalt dagegen aufgeben, dass Taten dieser Art vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag verfolgt werden könnten, hieß es. Dahinter steckt die Hoffnung, dass sich die FARC-Führer angesichts einer drohenden Auslieferung nach Den Haag mäßigen könnten. Die Gegner einer Zuständigkeit des Strafgerichtshofes betonen aber, dass sich die FARC-Führung noch nie von möglichen Strafen habe abschrecken lassen und ein Friedensschluss noch unwahrscheinlicher werde. (APA/dpa)

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