Crescendo bei Bösendorfer

9. März 2006, 16:56
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Die Bawag P.S.K verkauft die verlust­reiche Klavierfabrik nun doch - Interessenten sind eingeladen, Angebote abzugeben

Wien - Kräftig in die Tasten greift der neue Chef der Bawag P.S.K., Ewald Nowotny. Er verkauft die - von seinen Vorgängern zum "patriotischen Kulturinvestment" hochstilisierte - verlustreiche Klavierfabrik Bösendorfer doch. Bawag-Sprecher Thomas Heimhofer: "Der Verkaufsprozess ist beschlossen, Interessenten werden demnächst eingeladen, ihre Anbote abzugeben."

Derzeit ist man dabei, den Wert der Klavierfabrik, die die Bawag 2001 um 25 Mio. Dollar gekauft hat, zu erheben. "Aus betriebswirtschaftlicher Sicht darf die Bawag einen Erlös von einem Euro erwarten", meint ein Finanzexperte dazu. Das tut der Bawag-Sprecher als "Unsinn" ab, "allein der Markenname" sei einiges wert.

Missklänge

Die jüngsten Bilanzen klingen freilich nach Katzenmusik: Schon 2004 schuldete Bösendorfer (Umsatz: 15,8 Mio. Euro) den Banken 5,7 Mio. Euro; insgesamt betrugen die Verbindlichkeiten 7,4 Mio. Euro (Forderungen: 1,8 Mio. Euro). Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit lag 2004 mit 437.230 Euro im Minus. Der Verlust 2005: rund 1,5 bis zwei Mio. Euro.

Trotz dieser Missklänge hoffen die Banker auf einen baldigen Verkauf. Freilich wollen sie das 1828 in Wien gegründete Unternehmen nur in gute Hände legen. Heimhofer: "Wir verkaufen nur an einen Eigentümer, der das Werk weiterführt und die Bösendorfer- Kultur erhält." (gra, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.2.2006)

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    Die jüngsten Bilanzen klingen freilich nach Katzenmusik: Der Verlust 2005: rund 1,5 bis zwei Millionen Euro.

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