Französische Elefantenhochzeit perfekt

27. März 2006, 14:48
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Vorstände von Gaz de France und Suez segnen Zusammenschluss ab - Energiegigant mit über 70 Milliarden Euro Marktwert entsteht - Italien schaltet EU-Kommission ein

Paris/Brüssel/Rom - Die geplante Megafusion auf dem französischen Energiemarkt ist so gut wie perfekt: Die Vorstände der Konzerne Gaz de France (GdF) und Suez billigten am Montag den geplanten Zusammenschluss, wie die beiden Unternehmen mitteilten. Damit soll einer der weltweit größten Energieversorger mit einem Marktwert von mehr als 70 Mrd. Euro entstehen, während gleichzeitig ein mögliches feindliches Übernahmegebot des italienischen Energieriesen Enel für Suez abgewehrt wird.

In einer gemeinsamen Erklärung der Konzerne hieß es, Suez werde seinen Aktionären eine einmalige Dividende von einem Euro pro Anteil zahlen. Insgesamt bedeute dies eine Summe von 1,25 Mrd. Euro. Danach werde je eine Suez-Aktie für jede GdF-Aktie angeboten.

Verhandlungen seit Monaten

Die beiden Unternehmen verhandeln schon seit Monaten, haben aber ihre Gespräche zuletzt beschleunigt. Denn der italienische Energiegigant Enel hatte vergangene Woche angekündigt, Zukäufe in Frankreich oder Spanien zu planen, und eine Übernahme von Suez dabei nicht ausgeschlossen. Die französische Regierung gab am Wochenende grünes Licht für den Deal. Sie hatte den Zusammenschluss als "wirtschaftlichen Patriotismus" bezeichnet, der Arbeitsplätze schaffen werde.

Finanzminister Thierry Breton betonte am Montag, der Staat werde an dem neuen Unternehmen 34 bis 35 Prozent halten. An GdF hält Frankreich derzeit 80 Prozent, Suez ist in Privatbesitz. Durch den Zusammenschluss von Suez und GdF entsteht ein zweiter wichtiger Anbieter neben der Electricite de France (EDF).

Kein Stellenabbau

Das Unternehmen wird mit Wasser, Gas und Strom einen jährlichen Umsatz von zusammengerechnet 64 Mrd. Euro erwirtschaften. Die beiden Unternehmen betonten, der Zusammenschluss werde nicht zu Stellenabbau führen, auch blieben die arbeitsrechtlichen Vereinbarungen in den Unternehmen unverändert. Dennoch werden aus dem Zusammenschluss jährliche Einsparungen von 500 Mio. Euro erwartet.

Frankreich verstößt mit seiner Unterstützung der geplanten Fusion der Energieversorger Gaz de France und Suez offenbar nicht gegen die Regeln des freien Kapitalverkehrs. In dieser Hinsicht scheine es keine Vertragsverletzung zu geben, sagte ein Sprecher von Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy, Oliver Drewes, am Montag. "Wir beobachten die Situation", fügt er hinzu.

Italiener warnen vor "Neoprotektionismus"

In Italien sorgt die französische Großfusion für gehörige Unruhe. Der italienische Industrieminister Claudio Scajola sagte nach Bekanntwerden des Deals ein für Montag in Paris geplantes Treffen mit seinem französischen Kollegen Francois Loos ab. Über den Grund von Scajolas Absage wurden zunächst keine Angaben gemacht, wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA meldete.

Rom sieht wegen des Fusionsbeschlusses die Expansionspläne des italienischen Stromkonzerns Enel in Frankreich blockiert. Die Regierung wolle nun bei der EU-Kommission Klage gegen Frankreich wegen Verletzung der Wettbewerbsregeln einreichen, berichteten italienische Medien.

"Wo bleibt die EU-Kommission?"

Offenbar mit Blick auf die Fusion sagte Scajola am Sonntag laut ANSA, die politische und wirtschaftliche Zukunft der Europäischen Union stehe auf dem Spiel, wenn der "Neoprotektionismus" sich durchsetze. Dieser schade den Rechten von Verbrauchern und Unternehmern. "Wir fragen die Europäische Kommission: Wo seid ihr? Verschafft Euch Respekt!", fügte Scajola in der "La Stampa" hinzu. Auch Wirtschaftsminister Giulio Tremonti warnte laut einem "La Stampa"-Bericht vor einer Rückkehr zum Protektionismus in Europa.

Für Enel ist die Fusion zwischen GDF und Suez besonders schmerzhaft, da ausgerechnet der italienische Energiekonzern bereits zuvor von Spanien bei seinem Versuch abgeblockt worden war, den Energiekonzern Endesa zu erwerben. Madrid verteidigt die Endesa auch gegen E.ON und will sie mit der spanischen Gas Natural zu einem "nationalen Champion" vereinen. Zuvor hatte sich in Deutschland die öffentliche Hand (faktisch zu spät) gegen eine Beherrschung von EnBW durch die französische EDF gewehrt, und Rom hatte lange Zeit EDF bei der Übernahme von Edison blockiert. (APA/AP/Reuters)

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    Gaz de France und Suez verhandeln schon seit Monaten, haben aber ihre Gespräche zuletzt beschleunigt.

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