"Es geht nicht darum, etwas zu erreichen..."

1. März 2006, 07:00
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Ausbrechen war das Motto der berühmten französischen Autorin Marguerite Duras - Ein Porträt zum 10. Todestag

"Es geht nicht darum, etwas zu erreichen, es geht darum, aus dem Bestehenden auszubrechen", hieß ein Leitspruch von Marguerite Duras. Ausgebrochen und aufgefallen ist sie, die immer kompromisslose Freiheit gefordert hat, ihr Leben lang. Aus ärmlichen kleinbürgerlichen Verhältnissen in Indochina stammend, schaffte sie es eine der renommiertesten französischen Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts zu werden. Ihr umfangreiches, mehr als sechzig Romane, Bühnenstücke, Hörspiele und Drehbücher umfassendes Werk wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und Romane wie "La Douleur" (Der Schmerz), "Le Marin de Gibraltar" (Der Matrose von Gibraltar) und vor allem "L'Amant" (Der Liebhaber) machten sie weltberühmt.

Weniger bekannt ist dagegen die künstlerische Arbeit von Marguerite Duras als Regisseurin. Nach dem Film "Hiroshima mon amour" (1959), der für den Oscar für das beste Originaldrehbuch nominiert war und mit dem sie als Drehbuchautorin durchstartete, führte sie für eine Reihe von Filmen selbst Regie. Dabei wandte sie sich vom traditionellen Erzählkino ab und setzte meditative Arrangements aus Bild und Ton ein: eine reduzierte Filmsprache und aus dem "Off" gesprochene Texte. Die Ergebnisse wie etwa "Natalie Granger" (1972), "India Song" (1975) und "Le Camion" konnten sich sehen lassen und waren für die bedeutendsten Auszeichnungen der europäischen Filmindustrie nominiert.

Doch die Erfolgsgeschichte ihres Daseins als Künstlerin hatte auch eine andere, weniger rosige Seite. Marguerite Duras versuchte jahrelang gegen ihr Alkoholproblem anzukämpfen. Im "Liebhaber" schrieb sie: "Dieses vom Alkohl gezeichnete Gesicht habe ich vor dem Alkohol bekommen". Ein anderes Mal soll sie gesagt haben: "Man steht eines Morgens auf und sagt: Ich werde sterben oder schreiben".

Biografisches

Geboren am 4. April 1914 unter dem Namen Marguerite Donnadieu wuchs sie mit ihren beiden Brüdern als Tochter des LehrerInnenpaares Marie und Henri in Gia Dinh, einem Vorort von Saigon, auf. Ihr Vater starb als sie sechs war und ihre Mutter musste fortan die Familie allein erhalten. Mit achtzehn verließ sie ihre Heimat und übersiedelte nach Paris, um Mathematik und Staatswissenschaften zu studieren. Zwei Jahre später heiratete sie ihren Studienkollegen Robert Antelme, wurde prompt schwanger, erlitt jedoch eine Totgeburt.

Gemeinsam mit Antelme schloss sie sich der Résistance an. 1944 wurde ihr Mann ins KZ Dachau deportiert. Zum Glück überlebte er, doch kurz darauf zerbrach die Ehe an Duras' Untreue. Nach einer versuchten "ménage à trois" mit Antelme und Dionys Mascolo wurde sie von Letzerem schwanger und gebar 1947 einen Sohn.

Ihren ersten Roman "Die Schamlosen" hatte sie im Jahr 1943 bereits unter dem Künstlerinnen-Namen Duras - nach dem Geburtsort ihres Vaters - publiziert. Den Durchbruch als Autorin schaffte sie 1950 mit dem Roman "Heiße Küste". Im gleichen Jahr wurde sie wegen "unangepasster Haltung" aus der Kommunistischen Partei Frankreichs ausgeschlossen, der sie sechs Jahre lang angehört hatte.

In den 70er-Jahren näherte sich Marguerite Duras den Ideen der Frauenbewegung an, verbannte beinahe alle Männer aus ihrem Leben und verfiel immer mehr dem Alkohol. Sie erlitt mehrere Zusammenbrüche und 1988 fiel sie fünf Monate ins Koma. Mit 72 hatte sie sich noch einmal verliebt: Yann Andrá Steiner, ein um vieles jüngerer Schwuler und Bewunderer ihres Werks, blieb bis zu ihrem Tod bei ihr.

Marguerite Duras starb am 3. März 1996 in Paris. (dabu)

Marguerite Duras
Geboren am 4. April 1914 in Gia Dinh
Gestorben am 3. März 1996 in Paris

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