Gretzky ist bedient

23. Februar 2006, 20:48
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Kanada-Teamchef nimmt die Schuld für Scheitern des selbsternannten Eishockey-Favoriten auf sich und denkt über seine Zukunft nach

Turin - Die Augen von Tränen gerötet, der Blick leer, die Stimme belegt: Der große Wayne Gretzky bot nach Kanadas schlechtestem Abschneiden bei Olympia ein Bild des Jammers. "Ich bin auch nur ein Mensch. Die vergangenen drei Monate waren grauenhaft für mich", sagte der Teamleiter des Eishockey-Teams nach dem 0:2 in einem fantastischen Viertelfinale gegen Russland und nahm alle Verantwortung auf sich.

Der Tod von Mutter und Großmutter, der Wettskandal um Co-Trainer und Ehefrau, und nun der geplatzte Traum vom neuerlichen Gold - all dies entlud sich in einer schlimmen Viertelstunde im kinoartigen Pressekonferenzsaal der olympia-unwürdigen Esposizioni-Halle am Ufer des Po. Dreimal spielten die Kanadier dort, drei Mal schossen sie kein Tor und verloren wie zuvor schon gegen die Schweiz und Finnland jeweils 0:2. In elf der letzten zwölf Drittel gelang kein Treffer.

"Niemand anders ist schuld. Ich werde darüber nachdenken, was am besten für mich und den kanadischen Verband ist", sagte Gretzky, der Gold vor den Spielen als Ziel ausgegeben hatte. Gleich nach der Selbstgeißelung sprach der 45-Jährige schon wieder von Gold beimHeimspiel in Vancouver 2010. wolle.

Nordamerikanisches Scheitern

In Turin, wo am Freitag Weltmeister Tschechien gegen Schweden und Russland gegen Finnland die Halbfinali bestreiten, machen allerdings die Europäer den Titel unter sich aus, denn auch die USA sind (gegen Finnland) gescheitert.

Die Amerikaner hatten schon 1994 in Lillehammer ähnlich schlecht abgeschnitten. Vier Jahre später in Nagano, als die NHL erstmals für Olympia pausierte, flogen die favorisierten Dollar-Millionäre aus Übersee ebenfalls ohne Edelmetall nach Hause. 2002 in Salt Lake City hatten Kanada und die USA den Sieg dann unter sich ausgemacht.

Gretzky hatte damals die 1998 als Spieler verpasste Medaille als als Teamchef nachgeholt. Diesmal endete sein Europa-Trip mit in tiefer Enttäuschung. "Mein Land ist großartig, und ich liebe es sehr. Ich fühle mich wie ein Vater, der seine Kinder im Stich gelassen hat", sprach das Idol etwas sehr pathetisch.

Wie die Zukunft des Eishockeys aussieht, demonstrierten die Russen um den famosen Alexander Owetschkin, der in der 42. Minute die Führung herausschoss. "In meinem Land hüpfen jetzt alle vor Freude und trinken viel Wodka", sagte der Stürmer der Washington Capitals.

Genau 26 Jahre nach dem legendären Triumph der US-College- Boys über die Sowjetunion in Lake Placid wurde der 44-jährige Kapitän Chris Chelios zum Symbol des Scheiterns. Mittelstürmer Mike Modano griff Trainer Peter Laviolette an, der den 35-Jährigen im Schlussdrittel auf der Bank schmoren ließ.

Malkin fehlt gegen Finnen

Russland muss im Halbfinale gegen Finnland ohne Jungstar Jewgeni Malkin antreten. Der Eishockey-Weltverband sperrte den 19-Jährigen am Donnerstag für ein Spiel, nachdem er beim 2:0 über Kanada kurz vor Schluss eine Spieldauerdisziplinarstrafe erhalten hatte. Grund war ein versuchter Tritt gegen den Kanadier Vincent Lecavalier. Malkin ist für Metallurg Magnitogorsk derzeit bester Torjäger der russischen Liga. Mit dabei wird Finnlands Topstürmer Teemu Selänne sein, obwohl dem beim 4:3-Erfolg gegen USA drei Zähne ausgeschlagen wurden. "Wenn man auf dem Weg zur Goldmedaille ein paar Zähne verliert, ist das ein kleiner Preis, den man bezahlen muss", sagte er.(APA/dpa/red)

  • Geplatzter Medaillentraum: Kanadas Stars gelangen in drei von sechs Matches keine Tore.
    foto: reuers/snyder

    Geplatzter Medaillentraum: Kanadas Stars gelangen in drei von sechs Matches keine Tore.

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