"Die Jugend gibt es nicht mehr"

2. März 2006, 19:14
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Die Berufsberatung für Jugendliche sei zu wenig zielgruppenorientiert, ergab eine Studie. Sozialministerin Ursula Haubner verspricht Besserung

Wien – "Die Jugend gibt es nicht mehr", sagt Beate Großegger, Leiterin des Instituts für Jugendkulturforschung. Deswegen müsse auch die Berufsberatung zielgruppenorientierter arbeiten als das derzeit gehandhabt werde, sagte sie anlässlich der Vorstellung der Studie "Jugend und Beschäftigung". Handlungsbedarf erkennt die Studie nach einer Befragung von 771 Teilnehmern bei gering qualifizierten Jugendlichen, jungen Migranten, Lehr-, Schul- und Studienabbrechern sowie Jungakademikern.

In Gesprächen mit 14- bis 29-Jährigen zeigten sich vier Typen von jungen Arbeitssuchenden:

Typ 1 – "Orientierungslose": Mangel an Qualifikationen und Selbstmanagementkompetenz erfordere bei dieser Gruppe eine früh einsetzende Bildungsförderung und aktivierende sowie orientierende Maßnahmen.

Typ 2 – "Not-Yet-Akteure": Diese Gruppe ist von einem geringen Reflexionsniveau, hinausgezögerten Bildungs- und Berufsentscheidungen sowie hohen Selbstverwirklichungsansprüchen geprägt. Eine Fokussierung auf die Bildungs- und Berufsorientierungsphase wäre sinnvoll.

Typ 3 – "Eigeninitiative": Diese setzen auf eigene Initia^tive und sind flexibel, neigen aber dazu, den eigenen Handlungsspielraum zu überschätzen. Diese Gruppe wünscht sich vor allem "knallhartes Service".

Typ 4 – "Traditionell-Solide": Diese Gruppe strebt nach langfristiger Sicherheit und ist durch den dynamischen Wandel verunsichert. Hier sei es notwendig, eine realistische Einschätzung der Arbeitsmarktsituation zu fördern und für die steigenden Qualifikationsanforderungen zu sensibilisieren.

Da das Jobthema den jetzt angelaufenen Wahlkampf beherrschen dürfte, war auch Sozialministerin Ursula Haubner bei der Präsentation anwesend. Sie ortete "Handlungsbedarf" und versprach maßgeschneiderte Angebote, Präsentation vorhandener Projekte auf Internetplattformen, Miteinbezug von Fachleuten aus der Wirtschaft, Fokussierung auf Berufspraxis und gezielte Ausbildung für Jugendleiter von Jugendorganisationen.

"Mehr und bessere Berufsberatung für Jugendliche ist zwar sicher wünschenswert, die Bundesregierung sollte sich aber darum kümmern, für die Jugendlichen ausreichend Lehrstellen und Arbeitsplätze zu schaffen", ließ daraufhin der Vorsitzende der SP-nahen Österreichischen Gewerkschaftsjugend, Jürgen Eder, aussenden. Verstärkte Berufsinformationen in allen Schultypen fordere die ÖGJ "seit Langem". Dazu gehörten auch arbeitsrechtliche Grundinformationen: "Viele Jugendliche haben bei ihrem Einstieg ins Arbeitsleben oder bei einem Ferienjob keine Ahnung über ihre Rechte und Pflichten."

49.940 Jugendliche waren Ende Jänner beim AMS als arbeitssuchend registriert (2,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor), weitere 21.197 sind derzeit in Lehrgängen oder Schulungen. (APA, szem, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.2.2006)

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    Junge Jobsucher: Unterschiede bei Qualifikation, Selbstmanagement, Eigeninitiative, Selbstverwirklichungs­anspruch.

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