Nahe dran sein an der Literatur

16. Februar 2006, 20:09
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Nicht Porträts und Be­sprechungen stehen im Vor­der­grund, sondern der Literatur selbst wird Raum gegeben - "diemelange"- Mit­ar­bei­te­rin Rosemarie Poiarkov über "Volltext"

"Volltext" liegt auch auf der Straße. Der Verkauf durch Kolporteure scheint durch das Format und Papier einer Tageszeitung nahe liegend.

Macht man mit dem Bestsellerautor Paul Auster auf, gibt man ein Statement ab: "Volltext" ist als Massenmedium konzipiert, das Literatur in einem breit gefächerten Spektrum zum Thema hat. Gibt es nicht schon viel zu viele Zeitschriften mit Paul Auster am Cover? Andererseits reagiert der Literaturmedienreflex: Gibt es nicht schon genug, das ohnehin keiner liest?

Hochglanzlosigkeit und niedriger Preis

"Volltext" unterscheidet sich von anderen Literaturmedien nicht nur durch Format, Hochglanzlosigkeit und niedrigen Preis (2,50 Euro). Nicht Porträts und Besprechungen stehen im Vordergrund, sondern der Literatur selbst wird durch Auszüge aus Neuerscheinungen, Vorabdrucke und Originalbeiträge Raum gegeben. Parallel dazu kann man sich unter volltext.net über neueste Literaturnachrichten informieren sowie im open space Texte veröffentlichen.

Neulich im Herbst

"Volltext" ist intellektueller geworden. In einer Zeit, in der die Medien sich immer mehr durch alles über dasselbe annähern, schreibt es gegen den Strom und hat damit Erfolg. Sogar lange Diskussionen und Interviews werden von der Leserschaft überraschend goutiert.

Auflage von 50.000 Stück

"Volltext" finanziert sich hauptsächlich durch Anzeigen; die seit dem Start offizielle Auflage von 50.000 Stück wird weiter gehalten; vertrieben wird nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland und der Schweiz.

Betrieb und Literatur

Weniger Betrieb, mehr Literatur ist ein Credo der von Thomas Keul herausgegebenen Zeitung. Dass sich Betrieb und Literatur schwer trennen lassen, merkt man daran, dass dem Bachmann-Preis jeweils viel Platz eingeräumt wird. Damit sichert man sich auch Engrosabnehmer.

Viele derer, die in "Volltext" schreiben, beherrschen auch sonst den heimischen Soziolekt über die Literatur. Inhaltlich ist "Volltext" nicht revolutionär. Unverlangt eingesendete Manuskripte sind aber willkommen.

Siegertexte der Literaturwettbewerbe

In der noch bis Montag (wenn das Februarheft erscheint) aktuellen Ausgabe, wird man Literatur und Betrieb gerecht, indem man die Siegertexte der Literaturwettbewerbe von FM4 und um den Otto-Stoessl-Preis abdruckt. Verliehen wurde dieser Preis bereits im Jänner 2005. Wenn Andreas Meier in seiner Kolumne "Neulich" über den Herbst schreibt, merkt man, dass sich "Volltext" auch dadurch von anderen Medien unterscheidet, dass Aktualität nicht unbedingt ein Kriterium für Beiträge zu sein scheint.

Zeitlos

Das spricht für die Literatur, von der man gern annehmen würde, dass sie zeitlos ist, ein Text für immer und ewig gültig.

Eines der Erfolgsgeheimnisse mag sein, dass Volltext einem das Gefühl gibt, nah dran zu sein an der Literatur und an denen, die sie machen, einer Art Wohnzimmer mit Anschluss an die große Welt. (DER STANDARD, Printausgabe, 10.2.2006)

Rosemarie Poiarkov ist ständige Mitarbeiterin von "diemelange".

Links

volltext.net

diemelange.at

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