Austria Tabak heizt Preiskampf weiter an

17. März 2006, 10:14
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Gerade drei Tage ist der Beschluss zu Mindestpreisen bei Zigaretten alt, und schon dreht sich die Abwärtsspirale bei den Preisen weiter

Wien – Austria Tabak heizt den Preiskampf um die österreichischen Raucher weiter an: Die Marke Smart American Blend wird statt bisher 3,20 Euro nun 2,80 Euro kosten. Smart ist nach Memphis und Meine Sorte die Austria-Tabak-Marke mit dem drittgrößten Verkaufsvolumen, sie musste in jüngster Zeit jedoch Einbußen aufgrund der Preissenkungen der Konkurrenz hinnehmen.

"Geänderte Verhältnisse"

"Wir reagieren damit neuerlich auf die seit Jahresbeginn geänderten Verhältnisse auf dem Zigarettenmarkt und sichern bewährte Austria-Tabak-Qualität zu wettbewerbsfähigen Preisen. Wenn sich die Preisspirale nach unten dreht – wie zuletzt auf 2,80 Euro beziehungsweise sogar 2,70 Euro pro Packung –, ist unternehmerisches Handeln angesagt", sagt Stefan Fitz, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Austria Tabak (AT), vor Philipp Morris (Marlboro) die Nummer eins auf dem heimischen Zigarettenmarkt.

Überraschend kommt für die Branche, dass ausgerechnet die Österreich-Tochter des britischen Gallaher-Konzerns weiter die Preise drückt. Gilt doch der jüngst von der Bundesregierung und den Grünen im parlamentarischen Gesundheitsausschuss abgesegnete Beschluss über eine Mindestpreisregelung unter anderem als Zugeständnis an die ehemals staatliche Tabakregie, damit keine Marktanteile mehr an preisaggressive Kleinmarken sowie Konzerne wie British American Tobacco (Pall Mall) verloren gehen (offiziell wird selbstredend die Prävention des Tabakkonsums von Jugendlichen als Grund genannt).

"Wollen fairen Wettbewerb"

Hartwig Berger, Österreich-Chef des BAT-Konzerns, am Freitag: "Ich möchte die Preisgestaltung von Mitbewerbern nicht kommentieren. Wir haben für Pall Mall sehr bewusst mit 3,00 Euro einen niedrigeren Preis im mittleren Segment gewählt, weil wir von Preiskriegen nichts halten. Was wir wollen, ist ein fairer Wettbewerb für alle Beteiligten, der mit einem festen Mindestpreis wohl nicht gewährleistet bleiben kann." Andere Konkurrenten vermuten, dass AT den Druck auf die Politik so erhöhen will, damit eine Mindestpreisregelung so rasch wie möglich Realität wird.

Die Mindestpreisregelung soll jedenfalls bis – spätestens – 1. April stehen. Rechtlich ist sie nicht unumstritten: "Die geplante Einführung von Mindestpreisen für Zigaretten verstößt gegen geltendes EU-Recht. Frankreich und Griechenland wurden dafür vom Europäischen Gerichtshof bereits verurteilt. Belgien und Italien droht das Gleiche", so Heike Maria Lau von Japan Tobacco International (Camel).

Schmuggel zog an

Der Staat solle seine Ziele über das Instrument der Steuer erreichen und nicht über ein Preisdiktat, heißt es in der Branche, "sonst haben wir bald eine Monopoldiskussion, und das wollen die Trafikanten sicher nicht", sagt ein Insider. Zur Erinnerung: In Österreich existiert ein Einzelhandelsmonopol, das Großhandelsmonopol wurde vor dem EU-Beitritt abgeschafft. Allerdings: Als die Tabaksteuer zuletzt im Vorjahr angehoben wurde, ging auch der Zigarettenschmuggel sprunghaft um 15 Prozent nach oben. Außerdem dürfe, so das Gesundheitsministerium, ein gewisser Höchstsatz laut Steuerrichtlinien nicht überschritten werden.

Den Streit nützten indessen die heimischen Milchbauernvertreter und forderten am Freitag auch einen Mindestpreis auch auf das Kuhprodukt. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4./5.2.2006)

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    Überraschend kommt für die Branche, dass ausgerechnet die Österreich-Tochter des britischen Gallaher-Konzerns weiter die Preise drückt.

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