Iran sperrt BBC-Website

5. Februar 2006, 11:49
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Millionen User benutzten die lokale Variante der unabhängigen Nachrichtenquelle

Seit einer Woche ist die Farsi-Nachrichtenseite der britischen BBC im Iran blockiert, berichtet "Spiegel Online" am Freitag. Seit dem 18. Jänner erhalten Internetnutzer im Iran die Nachricht "Access refused", wenn sie versuchen, www.bbcpersian.com anzusurfen.

Forderungen

Bereits am Dienstag hatte die BBC die iranische Regierung ohne Erfolg aufgefordert, die Seite wieder freizugeben. Die Zensur betrifft nur die Seite in der Landessprache Farsi, die englischen Nachrichten sind weiterhin zugänglich.

Statistik

Nach Angaben der BBC wird die Farsi-Seite von einem Drittel der sieben Millionen User im Iran benutzt. Monatlich zählt das Angebot 30 Millionen Seitenimpressionen, die Hälfte davon aus dem Iran. Damit ist es der erfolgreichste fremdsprachige Dienst der BBC.

Übliche Sperren

Im Iran sind hunderttausende Webseiten gesperrt - von Pornoseiten bis zu Nachrichtenportalen. Es sei allerdings das erste Mal, dass die BBC-Seite nicht erreichbar sei, sagt Julien Pain von "Reporter ohne Grenzen" zu "Spiegel Online". Seit dem Launch 2001 sei bbcpersian.com zu einer der wichtigsten unabhängigen Nachrichtenquellen im Iran geworden, so Pain. Die Bedeutung habe noch zugenommen, seit die iranische Regierung 2002 einige neu gegründete, unabhängige Medien im Iran geschlossen habe.

Ausnahmen

Englischsprachige Seiten würden von undemokratischen Regierungen meist toleriert, erklärt Pain, der Internet-Zensur weltweit beobachtet. Seiten in der Landessprache hingegen stünden auf der Schwarzen Liste, weil sie eine ungleich größere Wirkung in der Bevölkerung erzielten. Der Direktor des BBC World Service, Nigel Chapman, sagte, er bedauere, dass "normale Iraner" nun eine objektive Nachrichtenquelle verlören. "Der Hunger der Iraner, mehr darüber zu erfahren, was im Iran und in der Welt passiert, war nie größer".

Weblog

Abgeschnitten von unabhängigen Nachrichten sind User im Iran dennoch nicht. Es gibt eine vitale Weblog-Szene, gegen die die iranische Regierung noch kein Mittel gefunden hat, so "Spiegel Online". (APA)

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