Steyrs Pandur erobert tschechische Armee

7. Februar 2006, 18:37
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Mit dem zweiten Großauftrag beginnt die Steyr-Daimler-Puch Spezialfahrzeuge GmbH den Pandur als einen Standard für gepanzerte Räderfahrzeuge zu etablieren

Prag/Wien – Für die mit Jahresbeginn auf ein reines Berufsheer umgestellte tschechische Armee ist es der größte Brocken im Beschaffungsprogramm: Gut 200 Radpanzer sollen die künftig zwei Einsatzbrigaden auf einen modernen Stand bringen – und diese Radpanzer werden Pandur 8x8 heißen und aus Wien-Simmering kommen.

Für die Steyr-Daimler-Puch Spezialfahrzeuge GmbH (SSF) ist das der größte Auftrag ihrer Geschichte – er soll mehr als doppelt so viel bringen wie der Verkauf von 260 Pandur an die portugiesische Armee im Vorjahr und viel mehr Wertschöpfung in Österreich belassen: Die Portugiesen haben nämlich ihr heimisches Unternehmen GOM beauftragt, das Schweißen der Panzerwannen und das Assembling der Panzer in Portugal vorzunehmen – daher wurde der Umfang des Portugal-Geschäfts von SSF im letzten Februar nur mit 365 Millionen Euro angegeben.

Atomstrom? Quatsch

Die Tschechen werden aber komplette in Wien gefertigte Panzer beziehen – und dafür 828 Millionen Euro bezahlen.

Vertragsabschluss soll im April oder Mai sein. Dabei wird auch ein umfangreiches Gegengeschäftspaket vereinbart, das eine 150-prozentige Kompensation des Kaufpreises durch von SSF vermittelte Einkäufe bei Industriepartnern des nördlichen Nachbarn vorsieht. Dass es dabei um Atomstromimporte ginge, wird von SSF-Manager Herwig Jedlaucnik vollmundig als "Quatsch" dementiert. Zwar gebe es auch Modernisierungsprojekte im Bereich der Energietechnik, doch spanne sich der Bogen vom Tourismus bis zur Luftfahrt.

Verstärkte militärische Kooperation

Dass der Zuschlag an SSF und nicht an den finnischen Mitbewerber Patria gegangen ist, führt der frühere österreichische Militärattaché in Prag, Roland Vogel, im STANDARD-Gespräch unter anderem auf die in den letzten Jahren verstärkte militärische Kooperation mit der tschechischen Armee zurück. Österreich will ja gemeinsam mit Tschechien und Deutschland eine Battle- Group für Einsätze auch außerhalb Europas aufstellen.

Auch seien wohl amerikanische Interessen mit im Spiel: SSF wurde im Jahr 2003 vom US-Rüstungskonzern General Dynamics übernommen. Das Nato-Land Tschechien hatte seine bisherigen Rüstungsbeschaffungen bevorzugt in neutralen Ländern getätigt – etwa durch die Miete von schwedischen Gripen-Jets.


Wissen: Panzer auf acht Rädern
Das Modell Pandur II soll das gehärtete Rückgrat der modernisierten tschechischen Armee darstellen - 199 Stück werden fürs Erste bestellt, eine Option auf weitere 35 kommt dazu.

Sie ersetzen die altersschwachen OT-64-Radpanzer aus der Zeit des Warschauer Paktes und ein Gutteil der Kampfpanzer. Tschechien behält künftig nur noch ein Bataillon mit 34 modernisierten T-72-Panzern, das Gros der Einsatzbrigaden wird auf die billiger zu betreibenden achträdrigen Radpanzer umgestellt. Die Umstellung auf leichtere, strukturell nicht angriffsfähige Berufsarmeen eröffnet den Radpanzern einen größeren Markt: Auch Kroatien stellt auf ein Berufsheer um - und Steyr bietet den Pandur an. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.1.2006)

  • Pandur-Radpanzer
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