Bislang erdähnlichster Planet außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt

3. Februar 2006, 18:22
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"OGLE-2005-BLG-390Lb" nur rund fünf Mal so massereich wie die Erde - Gravitationslinsen als Messmethode

Wien/London - Ein internationales Wissenschafterteam, an dem auch eine österreichische Astronomin beteiligt ist, hat mit Hilfe einer neuen Technik den bisher erdähnlichsten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt. Der neue, etwa 20.000 Lichtjahre entfernte Planet (mit dem astronomischen Namen OGLE-2005-BLG-390Lb) ist nur rund fünf Mal so massereich wie die Erde und umrundet seinen Zentralstern in drei Mal so großer Entfernung wie die Erde die Sonne, berichtet das Wissenschaftsmagazin "Nature" in seiner neuen Ausgabe. Bisher wurden überwiegend viel größere extrasolare Planeten mit einer vielfachen Masse des Jupiters und einem sehr zentralgestirnnahen Orbit entdeckt.

Seit der Entdeckung des ersten extrasolaren Planeten im Jahr 1995 wurden rund 170 solcher Himmelskörper nachgewiesen - der Großteil davon mit Messung der Radialgeschwindigkeit. Dies ist eine Methode, die am Anfang nur die Entdeckung von sehr großen Planeten, von der Masse Jupiters (ein Jupiter sind 318 Erdmassen) aufwärts, erlaubte bzw. solcher, die ihre Sonne sehr nahe umkreisen. In den vergangenen Jahren wurde sie allerdings weitgehend perfektioniert und erlaubt mittlerweile schon den Nachweis von Objekten von zehn Erdmassen.

Neue Methode

Eine neue Methode, mit der bisher erst zwei Exoplaneten entdeckt wurden, scheint aber auch den Nachweis kleinerer Planeten mit größerer Umlaufbahn zu ermöglichen. Davon sind jedenfalls die mehr als 30 Mitglieder der internationalen Arbeitsgruppe PLANET (Probing Lensing Anomalies Network) überzeugt, die sich mit Hilfe so genannter Gravitationslinsen auf die Suche nach solchen erdähnlichen Planeten machen. Mitglied dieser Gruppe ist die österreichische Astronomin Jadwiga Donatowicz, die derzeit an der Technischen Universität Wien arbeitet.

-->So gelingt der Nachweis Dabei machen sich die Wissenschafter einen von Albert Einstein vorhergesagten Effekt zu Nutze: Benötigt wird dazu ein weit entfernter Stern als "Lichtquelle". Zieht davor ein anderer Stern vorüber, wird durch dessen Gravitation das Licht des Quellsterns abgelenkt, was zu Helligkeitssteigerung führt, die von der Masse und damit der Gravitation des vorüberziehenden Sterns abhängt. Man nutzt also den Gravitationseffekt eines massiven Sterns quasi als Linse.

Planetarer Faktor

"Wird dieser Stern aber von einem Planeten begleitet, verstärkt sich dieser Effekt kurzfristig - das können wir messen und stellt einen eindeutigen Nachweis eines Planeten dar", erklärt Donatowicz. Aus den registrierten Werten kann auf die Masse und die Umlaufbahn des Planeten geschlossen werden. Eine eigenes internationales Forscherteam (Optical Gravitational Lensing Experiment, OGLE) ist damit beschäftigt, solche Gravitationslinsen aufzuspüren. Sie verfolgen im Jahr rund 400 bis 600 solcher Phänomene, die dann eingehend untersucht werden können.

Donatowicz hat jene Gravitationslinse, mit deren Hilfe nun der neue Planet entdeckt wurde, mit einem Teleskop in Tasmanien beobachtet. Um den Effekt rund um die Uhr zu verfolgen, werden insgesamt fünf auf der ganzen Südhalbkugel der Erde verteilte Teleskope eingesetzt.

Kleiner Mutterstern

Die Wissenschafter haben berechnet, dass der neue Planet seinen nicht weit vom Zentrum der Milchstraße gelegenen Zentralstern innerhalb von elf Jahren in einer Entfernung von 2,9 Astronomischen Einheiten (eine Einheit ist die mittlere Entfernung zwischen Erde und Sonne) umkreist. Seine Sonne ist ein so genannter Roter Zwerg mit nur einem Fünftel der Masse unserer Sonne. Auf Grund der geringen Sonnenmasse und der Entfernung wurde aus den Modellrechnungen die Temperatur auf dem Planeten mit minus 220 Grad Celsius bestimmt.

Weil die Methode der Gravitationslinsen in den vergangenen Jahren ständig verbessert wurde, rechnet Donatowicz damit, dass in nächster Zeit deutlich mehr erdähnliche Planeten aufgespürt werden können als bisher. OGLE-2005-BLG-390Lb bestätigt auch als bisher einziger Exoplanet die herkömmlichen Theorien zur Planetenbildung. (APA)

  • Imaginärer Ausblick auf den neu entdeckten Planeten und seinen Mutterstern
    illustration: eso

    Imaginärer Ausblick auf den neu entdeckten Planeten und seinen Mutterstern

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