Täter war bei Einbruch alkoholisiert

24. Jänner 2006, 12:22
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Kriminalpolizei: Als Alarmanlagen-Errichter kannte er Schwachstellen im Sicherheitssystem - Skulptur lag eineinhalb Jahre unter Bett

Wien - Bei dem am Freitag festgenommenen Verdächtigen, dem 50-jährigen Wiener Robert M., handelt es sich laut dem Leiter der Wiener Kriminalpolizeilichen Abteilung, Ernst Geiger, "nicht um einen klassischen Einbrecher". Er sei ein Alarmanlagen-Errichter, der sehr gut Schwachstellen in Sicherheitssystemen von Gebäuden einschätzen könne.

Man sei am Freitag "vor der schweren Entscheidung gestanden, das Bild eines Mannes zu veröffentlichen, der aus dem Umfeld der Täter stammte". Man befürchtete, dem Kunstobjekt könnte Schaden zugefügt werden. Im Vordergrund sei immer die Sicherheit und Rettung der "Saliera" gestanden, nicht so sehr die Ergreifung Täters. Man habe sich letztendlich zur Veröffentlichung entschlossen, "es war die richtige Entscheidung", sagte der Kriminalist.

Polizei geht nun von Einzeltäter aus

Noch am Freitag habe sich der 50-Jährige gemeldet und gesagt, er sei von Freunden darauf aufmerksam gemacht worden, dass er dem Mann auf dem veröffentlichten Foto sehr ähnlich sehe. Er wolle den Sachverhalt aufklären, sagte er den Ermittlern. Geiger: "Es war der erste Hinweis, und wie sich herausstellte, der Hinweis auf den mutmaßlichen Täter." Die Polizei geht davon aus, dass es keine weiteren Verdächtigen gibt.

Fenster des Museums waren nicht alarmgesichert

Robert M. gab bei seinen Einvernahmen an, dass er einige Wochen vor dem Diebstahl bei einer Führung mit einer italienischen Reisegruppe die "Saliera" erstmals gesehen hatte. Dank seiner Profession wusste der die Schwachstellen im KHM sehr schnell einzuschätzen. So bemerkte er das Baugerüst und sah, dass die Fenster des Museums nicht alarmgesichert waren. In der Tatnacht habe er das Gerüst erklettert und eine Fensterscheibe eingeschlagen. Dann sei er darauf gekommen, dass er ein Stanley-Messer nicht dabei habe und sei nochmals zurückgeklettert, um es zu holen.

Wusste anfangs nicht um den Wert der Skultur

Nach dem Diebstahl des Kunstwerks wusste der 50-Jährige zunächst nicht, welch wertvollen Gegenstand er da mitgehen hatte lassen. Erst durch die Medien vermochte der Mann, der laut Polizei "in höchst geordneten Verhältnissen" lebt, nach und nach die Bedeutung des Diebstahls einzuschätzen.

Täter bei Einbruch alkoholisiert

Major Josef Kerbl von der Wiener Kriminaldirektion 1 sagte, dass Robert M. in betrunkenem Zustand beschlossen habe: "Jetzt steige ich ein." Er habe aber nicht gewusst, was er danach mit dem Kunstwerk, dessen Wert er erst aus Medienberichten erfahren habe, machen solle. "Letztendlich war es für ihn neben der finanziellen Möglichkeit auch ein Abenteuer."

Der 50-jährige Alarmanlagenerrichter, der zwei Kinder - eine 14-jährige Tochter und einen neunjährigen Sohn - hat und allein lebt, kletterte letztendlich am Baugerüst hinauf, hebelte mit einem Brecheisen das Fenster auf und sah die Jalousie dahinter. Er ging zu seinem Auto zurück und holte das Stanleymesser, mit dem er die Jalousie aufschnitt. Dabei ging die Fensterscheibe zu Bruch. Mit dem Brecheisen zerschlug er die Vitrine der "Saliera", nahm die Skulptur und verpackte sie in einem Sack im Wagen. Schließlich deponierte er das Salzfass in einem Koffer unter seinem Bett in der Wohnung in der Westbahnstraße in Wien-Neubau, wo es eineinhalb Jahre blieb.

Als sich Robert M. nach der Publikation seines Fotos am vergangenen Freitag um 19.30 Uhr bei der Polizei meldete, "war er sich relativ sicher, dass man ihm nichts nachweisen konnte", sagte Kerbl. Er glaubte, sämtliche Beweisgegenstände beseitigt zu haben, und lieferte "eine schauspielerische Meisterleistung" ab.

Tatplanungs-Checklisten

Doch der 50-Jährige hatte einen Fehler gemacht. Er hatte vergessen, dass er 2003 Aufzeichnungen gemacht - Tatplanungen, Checklisten von Feldstecher bis zum Handy - und diese auch in einem Bekennerschreiben vermerkt hatte. Zudem hatte er nicht mehr gewusst, dass er diese Beweisstücke versteckt hatte. Bei den Hausdurchsuchungen wurden sie entdeckt. Daraufhin änderte sich das Verhalten des Verdächtigen schlagartig, sagte der Major.

Robert M. wurde sich bewusst, in welcher Situation er sich befindet. Bei einem Strafrahmen von zehn Jahren wusste er, dass es im Falle einer Herausgabe der "Saliera" ein relativ mildes Urteil geben werde. So führte er die Ermittler zu dem Kunstwerk. "Dort, wo das vergraben war, hätten wir das ohne seine Hilfe nicht finden können", betonte Kerbl.

Schwierige Bergung

Die Bergung der "Saliera" verlief unter schwierigen Umständen. "Wir stapften durch den knietiefen Schnee. Vier Bäume waren von ihm markiert worden. In der Mitte davon befand sich der Fundort des Kunstwerks", erzählte Kerbl. Robert M. habe sogar selbst beim Ausgraben mitgeholfen. "Die 'Saliera' war in einer Kiste sorgfältigst verwahrt", so der Ermittler.

Dass Sicherheitsmängel den Diebstahl der "Saliera" erst möglich gemacht hätten, wies Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) zurück. "Experten haben uns gesagt, dass die Museen nach internationalen Standards gut ausgerüstet sind." Wenn man nun die Tat auf die Alkoholisierung des Täters reduziere, "lässt man außer Acht, dass er ein Experte war. Die Tat ist von einem hochspezialisiertem Experten begangen worden", so die Ministerin. M. war als Alarmanlagen-Errichter tätig. (APA)

  • Robert M. stellt den Diebstahl als Idee einer langen Nacht dar.
    foto: newald

    Robert M. stellt den Diebstahl als Idee einer langen Nacht dar.

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