"Ganz offen: Die Farben wurden verwechselt"

11. April 2006, 18:49
131 Postings

Im Logo der österreichischen Präsidentschaft wurden die Nationalfarben von Estland etwas durcheinander gebracht

Ein gemeinsamer kreativer Nachdenkprozess brachte bereits im Jahr 2001 den Strichcode hervor, den sich nun Österreich als Grundlage für das Logo seiner zweiten Präsidentschaft auserkoren hat. Schöpfer des farbenfrohen Barcodes: der niederländische Stararchitekt und Kreative Rem Koolhaas mit seinem Team von AMO. Sein Entwurf vereinte die Nationalfarben der EU-Mitgliedstaaten in einem einzigen Symbol.

Vertikale Farbstriche

Dem grafischen Vorgaben des Strichcodes folgend wurden die Flaggen in vertikale Farbstriche aufgelöst. So hat beispielweise der britische Union Jack seine Kreuzbalken genauso eingebüßt wie die schwedische Flagge. Im Jahr der Erweiterung, 2004, wurde der Strichcode um die neuen Mitgliedsländer ergänzt.

Schönheitsfehler Estland

Eine durchdachte Konzeption mit einem kleinen Schönheitsfehler: die Farben der Flagge von Estland wurden in der falschen Reihenfolge in das Logo aufgenommen. Statt Blau-Schwarz-Weiß ist Estland nun mit den Farben Schwarz-Blau-Weiß im offiziellen Logo vertreten. Die Webpage www.zukunfteuropa.at übernimmt die durcheinandergekommenen Nationalfarben kurzerhand in ihre Vorstellung des Landes Estland. So trägt auch der Drag and Drop-Este (Bild) ein konsequent falsch gefärbtes Herz in den Farben Schwarz-Blau-Weiß am T-Shirt. Ein schwerer diplomatischer Fauxpas?

"Wir nehmen das nicht persönlich"

Auf der Botschaft der Republik Estland fühlt man sich keineswegs zurückgestellt. "Wir nehmen das nicht persönlich und werden hier keinen Protest einlegen", so Annika Jõrisson, zuständig für EU-Fragen bei der Botschaft von Estland. Das Thema werde neutral behandelt, "schließlich handelt es sich bei dem Logo um ein Kunstwerk, das verstehen wir."

"Das ist dem Herrn Koolhaas passiert"

Bei der österreichischen Vertretung der EU in Brüssel ist man sich des Problems auch bewusst. "Ganz offen: Die Farben wurden verwechselt," so Sprecher Nikola Johannes Donig und man weiß auch, wer der Schuldige ist: "Das ist dem Herrn Koolhaas passiert." Der habe "das Urheberrecht" - nun anscheindend auch das auf den Fehler. Der Architekt wisse Bescheid, habe aber noch nicht reagiert.

Die Mühe, das Logo auf diplomatische Tauglichkeit zu überprüfen, dürfte sich bei der Auswahl in Österreich niemand gemacht haben. Erst vor kurzem sei man auf den "kleinen Fehler" aufmerksam gemacht worden. "Der Idee des Logos tut der Fehler aber keinen Abbruch," so Donig, "Es ist eine Verwechslung, nicht mehr." Bei der Präsentation von Estland auf www.zukunfteuropa.at könne Donig sich aber eine Änderung der falschen Reihenfolge vorstellen. Das würde übrigens auch Annika Jõrisson begrüßen.

Suche nach der Fehlerquelle

Auf Anfrage von derStandard.at hieß es im AMO-Büro in Rotterdam, dass man erst am heutigen Donnerstag informiert worden und nun auf der Suche nach der Fehlerquelle sei. "In unserer Europa-Flagge, der Basis für das Logo, ist die Reihenfolge noch richtig," wundert sich Jan Knikker von AMO über die Verwechslung.

Eine Stellungnahme des Bundeskanzleramtes ist seit mehreren Tagen angefragt.

  • Artikelbild
  • Auf der Seite www.zukunfteuropa.at wird die Farbverwirrung konsequent durchgezogen.

    Auf der Seite www.zukunfteuropa.at wird die Farbverwirrung konsequent durchgezogen.

  • Die Flagge von Estland, richtig.

    Die Flagge von Estland, richtig.

Share if you care.