Deutsche Reiseveranstalter verschärfen Sicherheitsmaßnahmen

31. Dezember 2005, 15:18
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Kritische Provinz Shabwa wird umgangen - Studiosus erwägt Streichung von Jemen aus dem Programm

Berlin - Die beiden größten deutschen Reiseveranstalter für Jemen-Urlaube haben als Konsequenz aus der Entführung des früheren Staatssekretärs Jürgen Chrobog die Sicherheitsmaßnahmen vor Ort verschärft. "Wir werden die Provinz Shabwa, in der sich die Entführung ereignet hat, bei künftigen Reisen umfahren", sagte ein Sprecher des Spezial-Reiseveranstalters Gebeco am Donnerstag in Kiel. "Da sich die Provinz von Nord nach Süd durch das Land zieht, prüfen wir, wie wir sie per Flugzeug umgehen können."

Für die nächsten Reisegruppen, die voraussichtlich Ende Jänner sowie im Februar und im März in den Jemen aufbrechen wollten, werde die Busfahrt durch Shabwa entfallen und die neue Reiseroute stehen. Außerdem seien die Partner-Reiseagenturen im Jemen gebeten worden, ihre Sicherheitsmaßnahmen zu erhöhen, so das Touristikunternehmen.

Begleitschutz

Ähnlich äußerte sich ein Sprecher des Reiseveranstalters Studiosus in München. Nachdem die Provinz Shabwa aus dem Angebot genommen worden sei, werde der Verlauf der Geiselnahme aufmerksam verfolgt und geprüft, ob der Jemen auch im kommenden Jahr im Programm verbleiben solle. Grundsätzlich seien die Studiosus-Reisegruppen vor Ort mit Begleitschutz unterwegs, zu dem mitunter auch Stammesangehörige gehörten.

Der frühere Außenamts-Staatssekretär Chrobog und dessen Ehefrau sowie die drei erwachsenen Söhne des 65-Jährigen waren am Heiligen Abend in den Jemen gereist und dort während einer Touristentour in einem Fahrzeugkonvoi entführt worden. Chrobogs Reise war von der jemenitischen Agentur ATG organisiert worden, mit der auch Studiosus zusammenarbeitet.

Gebeco, das mehrheitlich zum TUI-Konzern gehört, verzeichnete dem Sprecher zufolge im laufenden Jahr einen Rückgang der Jemen-Reisenden, nachdem 2004 nach Angaben des Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalterverbandes nur knapp 6000 Deutsche in das Land gereist waren. Für 2006 sei allerdings auf Grund der bisher eingegangenen Buchungen für den Jemen eine Belebung des Geschäfts zu erwarten. (APA/Reuters)

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