Bulgarien: Auftragsmorde belasten EU-Ambitionen

30. Dezember 2005, 15:20
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Regierung führt Kampf gegen organisiertes Verbrechen möglichst öffentlichkeitswirksam

Wien/Sofia – Die Polizeioperation "Respekt" war nicht gerade ein dezentes Unterfangen. Nach drei Tagen waren schon 144 Personen festgenommen, einen Monat später waren es 1363, insgesamt 9424 Bulgaren wurden polizeilich überprüft. Emil Kjulew, Besitzer der größten bulgarischen Versicherung DZI, war im Auto während der morgendlichen Rushhour am 26. Oktober in Sofia erschossen worden.

Seitdem ist die bulgarische Regierung bemüht, den Kampf gegen das organisierte Verbrechen möglichst öffentlichkeitswirksam zu führen. Denn der zweitreichste Mann Bulgariens wurde, einen Tag nachdem die EU-Kommission Bulgarien gerügt hatte, nicht effizient genug gegen Kriminalität vorzugehen, erschossen.

Keine Verurteilungen

Seit 2000 kam es zu 120 Auftragsmorden in Bulgarien, bislang wurde niemand verurteilt. Auch der Mord an Kjulew wurde noch nicht aufgeklärt. Eine Spur führt zu russischen Kriminellen. Einer anderen Theorie zufolge wurde Kuljew wegen unbezahlter Schulden ermordet. Laut Polizei stand er bei dem Geschäftsmann Georgi Iliew in der Kreide, der am 25. August ermordet worden war. Innenminister Rumen Petkov musste Anfang Dezember eingestehen, dass während der Operation "Respekt" ein 38-jähriger Mann aufgrund von Polizeigewalt zu Tode kam. (awö, DER STANDARD, Printausgabe 30.12.2005)

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