Politiker warnen Osthoff vor Rückkehr in den Irak

28. Dezember 2005, 16:20
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Archäologin hält sich Rückkehr offen - Drohung mit finanziellen Konsequenzen

Frankfurt/Main - Die deutsche Bundesregierung und mehrere Politiker haben eindringlich an Susanne Osthoff appelliert, unter keinen Umständen in den Irak zurückzukehren. Acht Tage nach ihrer Freilassung aus der Geiselhaft mit Morddrohungen drohten Politiker der Archäologin mit finanziellen Konsequenzen, falls sie erneut in Schwierigkeiten kommen und nochmals staatliche Hilfe brauchen sollte. Osthoff hatte in einem Interview des arabischen Senders Al Jazeera offen gelassen, ob sie in den Irak zurückkehren wolle. Gegenüber dem ZDF erklärte die Ex-Geisel: "Mich hat noch keiner gewarnt, ich bin jahrelang mein eigener Herr."

Außenminister Frank-Walter Steinmeier warnte die Ex-Geisel, die sich offenbar in einem anderen arabischen Land aufhält und keinen Kontakt mit ihrer Familie in Deutschland aufgenommen hat, ausdrücklich vor einer Rückkehr. "Ich appelliere an Frau Osthoff, von ihren Plänen, in den Irak zurückzukehren, Abstand zu nehmen", hatte er bereits am Montagabend erklärt. Nach den Anstrengungen für ihre Freilassung habe er wenig Verständnis, wenn sie sich erneut in eine Gefahrensituation begeben würde.

Finazielle Konsequwnzen

Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Günter Gloser (SPD), sagte in der ARD, er habe keinerlei Verständnis, wenn Osthoff in den Irak zurückkehren würde. Seit ihrer Ausreise in eigener Verantwortung könne aber das Auswärtige Amt nicht einzugreifen. Die Gefahrensituation habe sich für die 43-Jährige aber in keiner Weise verändert. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Ruprecht Polenz, deutete in Medien Konsequenzen wie eine Kostenbeteiligung an, sollte sie nochmals vom Staat Hilfe brauchen.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Lothar Mark erklärte in Berlin: "Susanne Osthoff muss wissen, dass der deutsche Steuerzahler ihr kein zweites Mal eine Geiselfreilassung im Irak finanzieren würde." Dagegen äußerte die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth Verständnis für eine mögliche Rückkehr Osthoffs in den Irak. "In unserer Demokratie ist es gut und richtig, dass es freie und selbstbestimmte Entscheidungen gibt", sagte Roth dem "Handelsblatt". Der Irak sei seit vielen Jahren Osthoffs Lebensmittelpunkt.

Al-Jazeera-Interview

Am Dienstag gab es weiter Unklarheit über den genauen Wortlaut des Al-Jazeera-Interviews Osthoffs. Eine Bestätigung für Osthoffs angebliche Absicht, in den Irak zurückzukehren, hatte das Auswärtige Amt in Berlin nicht. Die 43-Jährige sagte, sie sei von ihren Entführern gut behandelt worden. Die Kidnapper hätten kein Geld gewollt, sondern die Förderung humanitärer Projekte in den sunnitischen Regionen des Irak. Dem Sender zufolge fand das Interview in Doha im Golfstaat Katar statt. Sie hätte sich selbst an Al Jazeera gewendet. Dass Osthoff ein arabisches Medium gewählt habe, zeige ihren Respekt und Willen zum Dialog.

Eine klare Aussage zu einer möglichen Rückkehr in den Irak vermied Osthoff auch in einem Interview mit dem deutschen ZDF- Fernsehen. Zu diesem "privaten Pipifax" habe sie sich noch nicht geäußert, sagte sie dem Mainzer Fernsehsender.Sie forderte, dass die Menschen in Deutschland mehr von den Problemen des Irak erfahren müssten. Immerhin gebe es in der Bundesrepublik Deutschland fast eine halbe Million Iraker. Zu den Warnungen vor einer Rückkehr in den Irak sagte die Archäologin: "Das habe ich nicht mitbekommen. Mich hat noch keiner gewarnt, denn ich bin jahrelang mein eigener Herr." Eine mögliche Rückkehr sei ihre Privatangelegenheit. "Ich arbeite im humanitären Bereich und bin mir im Klaren über die Schwierigkeiten."

Unterdessen zeigte sich Osthoffs Mutter, Ingrid Hala, verwundert, dass die Regierung keine Projekte mehr finanziell unterstützt, die mit einem Aufenthalt ihrer Tochter im Irak verbunden sind. "Das ist schon seltsam", sagte sie der "Süddeutschen Zeitung" (Dienstag). Sie vermutete, dass die Regierung damit die Bevölkerung beruhigen wolle. Sie habe viele Briefe bekommen, in denen das Verhalten ihrer Tochter kritisiert worden sei. Bei ihrer Mutter, mit der sie seit sechs Jahren keinen Kontakt hatte, hat sich Osthoff auch nach ihrer Freilassung nicht gemeldet. (APA/AP/dpa)

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