Die besten Schnäpse aus Steinobst

13. September 2007, 10:32
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Marillenbrände stehen ganz oben in der Liste der am meisten nachgefragten Schnäpse. Aber kaum ein Fruchtaroma ist schwieriger einzufangen - Teil 2

Im vollreifen Zustand genossen, halten sie ja alles, was von ihnen erwartet wird – ein tolles Aroma, saftiges Fleisch und unwiderstehlichen Geschmack. Aroma und Geschmack auch im Schnaps einzufangen ist freilich eine Kunst, die nur wenige in Perfektion beherrschen. Zumeist – sagen wir mal so ungefähr in 90 Prozent aller Fälle – wird ja nachgeholfen, denn nichts schmeckt deutlicher nach Marille als ein künstlich-chemisches Marillenaroma.

Zu 100 Prozent aus der Frucht

Wir reden hier aber nur von solchen Bränden, die zu 100 Prozent aus der Frucht stammen, am besten aus saftigen, vollreifen und perfekt verarbeiteten Marillen. Wie man diese Frucht-Diva annähernd perfekt einfängt, zeigen die Brände, die unser Ranking anführen. Dass kein 5-Sterne-Schnaps darunter ist, liegt einfach daran, dass die Marille nie so deutlich und voluminös daherkommt wie die Destillate einiger anderer Früchte.

Aber frisch und elegant zu sein, ist ja auch eine schöne Sache. Zwei Brände errfüllen dieses Kriterium in hohem Maße, jene von Hans Krenn und von Valentin Latschen (Brennerei Pfau). Sonnig reife Noten mit feiner Frucht und viel Eleganz zeigt auch der Marillenschnaps von Karl Holzapfel, der ja auch inmitten der schönsten Marillengärten des Landes arbeitet. Ein persönlicher Favorit ist aber der Schnaps von Günter Rochelt, der ja auch aus ausgesuchten und perfekt gereiften Marillen entstanden ist und mit seiner fleischig-kräftigen Art vermutlich noch Jahre bestehen und an Ausdruck und Typizität noch zulegen wird.

Der Kirsch-Meister

Welches lange Leben so ein Schnaps haben kann, ohne auch nur im geringsten an Aroma und Intensität zu verlieren – eigentlich muß man schon das Gegenteil feststellen –, beweist der schon über ein Dutzend Jahre alte und perfekt ausgereifte Kirschbrand von Alois Gölles. In seiner Balance und reifen Harmonie ist dem Brenner aus Riegersburg damit ein ganz großer Schnaps gelungen. Sicher eine Rarität (die auch ihren Preis hat), aber sicher auch ein Schmuckstück für jede Vitrine und private Kleinbar.

Herrlich und überzeugend auch der Weichselbrand von Martin Schosser. Mit dem Jahrgang 2004 hat der Jung-Brenner aus Buchkirchen einen meisterlich gefertigten und perfekt zwischen Fruchtfleisch und Steinanteil ausbalancierten Edelbrand vorgelegt, dem – falls dieser Schnaps auch so lange liegen darf wie jener von Gölles – noch weitere Steigerungen bevorstehen.

Ohne jeden Schmuddeltouch

Bei den Bränden aus Früchten der Prunus-Familie wollen wir die Gölles-Festspiele einfach so wirken lassen, keine Frage, dass vor allen die Zwetschke hervorragend ins Faß passt und – so die Ausgangsbasis schon seht gut war – an Charakter und Finesse dadurch noch gewinnt. Alles eine Frage der Zeit. Aber den leichten Schmuddeltouch, den die Zwetschkenschnäpse aus unseligen Slibowitz- und fauligen Fallobstzeiten lange mit sich schleppen mussten, ist bei den Spitzenbrennern längst passé – man darf hier wirklich einmal ein „Gott-sei-Dank“ anfügen. Was die Zwetschke in ihrer reifen Ausformung nämlich hergibt, kann anhand jener Brände nachvollzogen werden, die im Ranking angeführt werden. Guglhof, Tinnauer, Lackner-Tinnacher, Schmutzer, Leitner und Pirker sind in der Lage, auch alte Skeptiker zu überzeugen.

Und wer noch die eine oder andere Nuance spüren möchte, greife zu Mirabellen-, Schlehen- oder Kriecherl-Bränden.

  • Artikelbild
    foto: vene maier
  • Valentin Latschen von der Brennerei Pfau

    Valentin Latschen von der Brennerei Pfau

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