Saddam wirft Bush-Regierung Lüge vor

24. Dezember 2005, 10:44
8 Postings

Auch Barzan al-Takriti, Ex-Geheimdienstchef und Halbbruder des Ex-Diktators, beschwert sich über Misshandlungen

Bagdad - Der irakische Ex-Staatschef Saddam Hussein hat die Regierung von US-Präsident George W. Bush vor Gericht der Lüge bezichtigt. Die USA hätten die Unwahrheit gesagt, was die angebliche Existenz von Chemiewaffen im Irak angehe, sagte Saddam Hussein am Donnerstag, dem siebenten Tag des gegen ihn geführten Prozesses in Bagdad. Das Weiße Haus in Washington lüge auch, wenn es die Foltervorwürfe als absurd abtue, die er am Vortag erhoben hatte.

Keine Massenvernichtungswaffen gefunden

"Im Weißen Haus sitzen Lügner. Sie haben gesagt, dass der Irak Chemiewaffen besitzt", rief Saddam. Die angebliche Existenz von Massenvernichtungswaffen war einer der von Bush 2003 ins Feld geführten Gründe für den Angriff auf den Irak. Bisher wurden aber keine gefunden. Es wird jetzt davon ausgegangen, dass der Irak seine Chemiewaffen bereits nach dem Golfkrieg 1991 vernichtete. In den 80er Jahren entwickelte das Land solche Waffen und setzte sie auch gegen irakische Kurden ein.

"Sie haben wieder gelogen, als sie sagten, dass das, was Saddam sagte, falsch war", sagte der irakische Ex-Präsident bezüglich der US-Reaktion auf die von ihm vorgebrachten Foltervorwürfen. Das US-Präsidialamt hatte die Beschuldigung Saddams vom Vortag, er sei vom US-Militär in der Haft misshandelt worden, als absurd zurückgewiesen. "Saddam Hussein wird völlig anders behandelt als jene, die er inhaftieren und foltern ließ, nur weil sie ihre Meinung geäußert haben", sagte Präsidialamtssprecher Scott McClellan in Washington.

Ex-Geheimdienstchef beklagt Misshandlung

Saddam Hussein hatte am Donnerstag seinen Vorwurf bekräftigt, in US-Gewahrsam geschlagen und gefoltert worden zu sein. Für Aufregung im Prozess sorgte am Donnerstag der mitangeklagte Halbbruder Saddams, Ex-Geheimdienstchef Barzan Ibrahim al-Takriti. Er warf einem Wachbeamten vor, ihn bedroht zu haben. Der Richter entband den Wächter daraufhin von seinen Aufgaben.

Außerdem warf Barzan Vertretern der Anklage vor, früher selbst Genossen der Baath-Regierungspartei gewesen zu sein. Einer von ihnen wies dies mit den Worten von sich, es sei "die größte Beleidigung meines Lebens", mit dieser blutbefleckten Partei in Verbindung gebracht zu werden.

Saddam droht die Todesstrafe

Der Prozess gegen Hussein ist am Donnerstag vertagt worden und wird am 24. Jänner fortgesetzt. Das teilte der Vorsitzende des irakischen Sondertribunals am Donnerstag in Bagdad mit. Zuvor war die siebente Anhörung in dem Verfahren nach einer einstündigen Sitzung hinter verschlossenen Türen beendet worden.

Der irakische Ex-Präsident und seine sieben Mitangeklagten müssen sich wegen eines Massakers an 148 Menschen in der schiitischen Ortschaft Dujail verantworten, das nach einem Angriff auf den Konvoi des damaligen Präsidenten im Jahr 1982 verübt worden war. Den Angeklagten droht bei einer Verurteilung wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit die Todesstrafe. Saddam Hussein hatte sich zu Beginn des Verfahrens für nicht schuldig erklärt. (APA/Reuters)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Berichterstattung über den Prozess gegen Saddam Hussein stößt im Irak auf großes Interesse

Share if you care.