"Der AUA-Vorstand ist bemüht, aber das ist zu wenig"

21. Dezember 2005, 14:48
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Die AUA schreibt massive Verluste und bekommt 2006 einen neuen Chef - Was Aktionärsvertreter Wilhelm Rasinger am derzeitigen Management stört, erzählte er im STANDARD-Interview

Die AUA schreibt massive Verluste und bekommt 2006 einen neuen Chef - Was Aktionärsvertreter Wilhelm Rasinger am derzeitigen Management stört, erzählte er im STANDARD-Interview

STANDARD: Die AUA macht heuer 60 Millionen Euro Verlust, die Aktie hat seit Jahresbeginn 34 Prozent an Wert verloren, seit 1998 waren es 67 Prozent. Würden Sie Anlegern raten, die Aktie zu kaufen?

Rasinger: Aufgrund der Ergebnisse gibt es natürlich keine Kaufempfehlung. Nur verglichen mit der SkyEurope, die auf demselben Kursniveau notiert, muss man schon sagen: Die AUA-Aktie notiert unter ihrem Buchwert, und SkyEurope, die - wenn überhaupt - ab 2007 Gewinne schreiben wird, über ihrem Buchwert. Aber AUA-Chef Vagn Sörensen glaubt offenbar noch an die AUA, denn er hat erst im August 16.195 AUA-Aktien gekauft.

STANDARD: Inwieweit trifft dem Vorstand für die jetzige Situation eine Schuld?

Rasinger: Es ist dem Vorstand nicht gelungen, mit Konsequenz die Ziele bei den Mitarbeitern umzusetzen, was sich eben in den Ergebnissen niederschlägt. Die zwei Gewinnwarnungen zeigten auch, dass zu spät auf Abweichungen reagiert wurde. Es ist zudem nicht gelungen, im Unternehmen eine Aufbruchstimmung zu erzeugen. In dieser schwierigen Situation gehört ein anderer Zug hinein.

Die Umsetzung der Erwartungen ist stecken geblieben. Man sollte auch den Mitarbeitern klar machen, dass die Zeiten der fliegenden ÖBB vorbei sind. Wenn nicht beide an einem Strang ziehen, sehe ich die Tage einer selbstständigen AUA gezählt. Denn den Kunden ist die Heckflossenbemalung egal, die wollen Pünktlichkeit, einen guten Preis und Wohlbefinden.

STANDARD: Sitzen im AUA-Vorstand die richtigen Leute?

Rasinger: Ich glaube, dass die erste und zweiten Management-Ebene nicht optimal besetzt ist und entsprechend motiviert agiert.

STANDARD: Was muss getan werden?

Rasinger: Der Aufsichtsrat sollte sich mit der Managementstruktur intensiver auseinander setzen. Der derzeitige Vorstand ist sicher bemüht. Aber in einer so schwierigen Situation gehört mehr dazu, da sollte der Vorstand an einem Strang ziehen. Im neuen Vorstand sollte es eine gesunde Mischung aus ex- und internen Leuten geben.

STANDARD: Der Vorstand hat in seiner jetzigen Formation im Vorjahr samt Prämien 1,65 Mio. Euro verdient. Zu Recht?

Rasinger: Für mich sind die Prämien (knapp 50 Prozent) erklärungsbedürftig, zumal ich den Erfolg für Aktionäre nicht sehe. Bei der Umsetzung der Corporate Governance ist die AUA zwar vorbildlich, ersetzt aber keine Ergebnisse.

STANDARD: Es gibt das Gerücht, dass Verkehrsminister Hubert Gorbach neuer AUA-Chef werden könnte, Ihre Meinung dazu?

Rasinger: Die AUA hat mit einem Ex-Verkehrsminister (Rudolf Streicher war jahrelang Aufsichtsratschef, Anm.) schon einmal nicht die besten Erfahrungen gemacht. Gorbach bringt auch keine einschlägige Management-Erfahrung mit. Das Einzige, was er einbringen könnte, sind gute politische Kontakte, doch die sind nicht dort, wo die AUA Bedarf hätte. Ich stünde Gorbachs Bestellung sehr reserviert gegenüber. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.12.2005)

Zur Person

Wilhelm Rasinger (57) ist Präsident des Interessenverbandes für Anleger, studierter Betriebswirt, Aufsichtsrat bei Erste Bank und Böhler-Uddeholm. Rasinger ist verheiratet und hat fünf Kinder. Rasingers Bruder, Erwin, ist der Abgeordneter und Gesundheitssprecher der ÖVP.

das Gespräch führte Claudia Ruff
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