Wien schaut durch die "Gender-Brille"

14. Dezember 2005, 13:44
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Gemeinderat: Budget für 2006 erstmals auf Geschlechterverhältnisse abgeklopft

Wien - Der Wiener Gemeinderat hat am Dienstagabend nach einer zweitägigen Debatte das Budget für das Jahr 2006 beschlossen - freilich wie erwartet nur von der mit absoluter Mandatsmehrheit ausgestatteten SPÖ.

Geschlechterkriterien

Ein Novum ist heuer die Erstellung des Haushalts unter dem Gesichtspunkt des "Gender Budgeting", was bedeutet, dass bei jedem Budgetposten die Aufteilung der Gelder nach Geschlechterkriterien analysiert wurde. Dabei wurde geprüft, ob die finanziellen Mittel und Leistungen eher Männern oder Frauen zugute kommen, um Benachteiligungen sichtbar zu machen und eine gerechte Verteilung sicherzustellen.

"Das heißt nicht, dass zusätzliche Kosten entstehen", betonte Frauenstadträtin Sonja Wehsely (SP) am Montagabend. Es gehe darum, den Haushalt parallel zur jährlichen Voranschlagsplanung durch die "Gender-Brille" zu betrachten, um eine Diskussion über Verbesserungen in Gang zu bringen.

Pilotprojekt in Meidling

Die konkrete Umsetzung von "Gender Budgeting" wurde im Bezirk Meidling in einem zweijährigen Pilotprojekt erprobt. Im Bezirksbudget für 2006, das am 16. Dezember beschlossen wird, wurden bereits Umverteilungsmaßnahmen gesetzt: So wird in der Musikschule, die zu 59 Prozent von Mädchen besucht wird, eine Harfe anstatt eines von Buben bevorzugten Schlagzeuges angeschafft. Bei künftigen Investitionen auf Friedhöfen wird verstärkt auf die Bedürfnisse älterer Frauen Rücksicht genommen. Ebenso wird bei der Gestaltung von Schulhöfen und Parks in Angebote investiert, die speziell für Mädchen attraktiv sind.

Durch die Hinterfragung der einzelnen Budgetposten unter Einbeziehung aller zuständigen Magistratsabteilungen sei "eine enorme Transparenz" entstanden, erklärte die Meidlinger Bezirksvorsteherin Gabriele Votava (SP).

Grüne Wien: Gender Budgeting ein erster Schritt

Als einen "längst überfälligen ersten Schritt für ein gendergerechtes Budget der Stadt Wien" bezeichnet die Stadträtin der Wiener Grünen, Monika Vana, die erstmalige Implementierung von Gender Budgeting im Budget-Voranschlag 2006. Auf Verlangen der Wiener Grünen findet übrigens am Mittwoch unter dem Titel "Alarmstufe Rot für Frauen am Wiener Arbeitsmarkt" eine Aktuelle Stunde im Gemeinderat statt. (kri/DER STANDARD, Printausgabe 14.12.2005/red)

  • Bei jedem Budgetposten werden die Gelder nach Geschlechterkriterien analysiert.
    grafik: der standard
    Bei jedem Budgetposten werden die Gelder nach Geschlechterkriterien analysiert.
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