Zigtausende Schiiten bei Wahlkundgebung

14. Dezember 2005, 17:45
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"Ja zum Islam" - Arabische Liga ruft zu Wahlteilnahme auf - US-Regierung hat keinen Favoriten bei Wahlen

Bagdad/Washington - Zigtausende Schiiten haben sich am Montag zur bisher größten Wahlkundgebung im Irak versammelt. Sie zogen durch das Bagdader Armenviertel Sadr City und riefen "Ja zum Islam, Ja zum Irak, Ja zur religiösen Führung." Gleichzeitig verurteilten sie die Gewaltkampagne der Aufständischen.

Die Kundgebung war drei Tage vor der Wahl von der Vereinigten Irakischen Allianz, einer Liste schiitischer Parteien, organisiert worden. Unter den Teilnehmern waren zahlreicher Kleriker, Parlamentsabgeordnete, Stammesvertreter und Politiker.

Seltene Demonstrationen

Demonstrationen sind im Irak wegen der Anschläge sehr selten geworden. Die Veranstaltung vom Montag wurde von staatlichen Sicherheitskräften sowie von der Miliz des Schiitenpredigers Moktada al-Sadr geschützt, jeder Teilnehmer wurde durchsucht. "Dies ist ein bedeutender Teil Bagdads, und es ist nicht gerecht, dass Sie unter solch schlechten Bedingungen leben", rief Ammar al-Hakim den Menschen zu. Hakim ist ein Kandidat des Obersten Rates für eine Islamische Revolution im Irak (SCIRI). "Wir rufen die Regierung auf, Sadr City oberste Priorität beim Wiederaufbau einzuräumen."

Appell der Arabische Liga

Die Arabische Liga rief alle Iraker auf, sich an der Wahl zu beteiligen. Generalsekretär Amr Mussa appellierte an die Aufständischen, während der Abstimmung keine Anschläge zu verüben. Al-Kaida im Irak und andere aufständische Gruppen bezeichneten die Wahl in einer gemeinsamen Stellungnahme indes als "Teufelswerk". Sie lehnten eine Zusammenarbeit mit der Regierung ab, sprachen aber keine Drohungen gegen die Wähler aus.

Die US-Regierung hat sich nach den Worten ihres Irak-Koordinators auf keinen Favoriten bei den bevorstehenden Parlamentswahlen festgelegt. "Wir unterstützen keine bestimmte demokratische Partei und keinen Kandidaten", sagte Botschafter James Jeffrey am Montag in Washington.

Kein US-Favorit

Der Chefberater von US-Außenministerin Condoleezza Rice dementierte Medienberichte, nach denen die US-Regierung den Ex- Ministerpräsidenten Iyad Allawi favorisiere. Allawi tritt mit dem Parteienbündnis Irakische Nationale Liste an.

Jeffrey erwartet, dass auch in den mehrheitlich von Sunniten bewohnten Gebieten viele Menschen wählen werden. "Ich rechne mit einer hohen Wahlbeteiligung aller Bevölkerungsgruppen", sagte Jeffrey. Seine einzige Sorge sei, dass Aufständische durch Anschläge die Wahlen torpedieren könnten. Doch der aktuelle Trend gebe ihm Grund zur Zuversicht. "Das Gewaltniveau hat sich in den vergangenen Tagen verringert", sagte er. (APA/AP/dpa)

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