Die Software gegen Geldsorgen

12. Dezember 2005, 13:03
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Computeranimierte Filme in Spielfilmlänge wurden bisher nur in den USA produziert - dank einer Software, die vom europäischen Forschungsprogramm Eureka gefördert wurde, nun auch in Europa

"Einen computeranimierten Film in Spielfilmlänge zu produzieren schien für europäische Studios bis vor Kurzem unmöglich", sagt Sean Hinton, Geschäftsführer der Ealing Studios, die mit "Valiant", der Geschichte einiger Tauben im Zweiten Weltkrieg, das Wagnis doch eingingen. "Wir mussten die Workflow-Technologie verbessern, besonders weil wir nur halb so viel Budget und Zeit hatten wie amerikanische Studios."

Die Lösung dafür entwickelte die jungen Softwarefirma Innovative Animation Services in Kooperation mit einer belgischen Universität und einer belgischen Softwarefirma. Die dabei entstandene Software Damage vereinfacht viele Arbeitsschritte bei der Animation und macht es möglich, Korrekturen automatisch auf den ganzen Film auszudehnen. Damage verwaltet die so genannten Assets, die Elemente einer Animation, wie Bilder, Geräusche, Hintergründe oder Spezialeffekte. "Wenn man die Farbe der Hose eines Charakters ändern wollte, musste man früher jedes einzelne Bild im Film heraussuchen und manuell bearbeiten", sagt Peter Stansfield, der Koordinator des vom europäischen Förderprogramm Eureka unterstützten Projekts. "Damage findet die zu ändernden Szenen automatisch und ändert das gewünschte Detail." So gelang es, die Kosten der Produktion deutlich zu reduzieren. Für "Valiant", dessen Österreich-Start noch nicht bekannt ist, gaben die Ealing Studios rund 45 Millionen Euro aus. Vergleichbare Hollywoodproduktionen kosten 90 Millionen.

Eureka unterstützte auch Softwareentwicklungen für andere Filmproduktionen. Die Fördereinrichtung unterstütze beispielsweise eine deutsche und eine englische Firma bei der Entwicklung der Software Key Light, die unter anderem bei "Harry Potter" für realistischere Spezialeffekte sorgte. Eureka stellte neben einem Budget von 1,1 Millionen Euro vor allem ein Expertennetzwerk zur Verfügung.

Ergebnisse verlangt

Seit 1985 werden auf diese Art internationale Kooperationen im Bereich Forschung und Entwicklung gefördert. "Wir wollen mit den Ergebnissen von Forschungs- und Entwicklungsprojekten auf den Markt kommen", meint Philippe Loward, nationaler Projektkoordinator von Eureka in Österreich. "Schließlich haben wir das Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen und auch der österreichischen Wirtschaft zu stärken." Eureka begleitet Forschungs- und Entwicklungsprojekte von der Idee bis zur Markteinführung. Dabei bietet die Fördereinrichtung unter anderem Hilfestellung bei der Partnersuche, der Erstellung des Förderantrags und ist auch bei der Durchführung des Projekts dabei. Derzeit laufen in Österreich 71 Eureka-Projekte.

Es gibt keinen zentralen europäischen Topf für Eureka. Wer einreichen will, wendet sich an nationale Stellen, das sind in Österreich die Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), der Wissenschaftsfonds (FWF) und Landesförderstellen in den Bundesländern, wo die Möglichkeit besteht, eine FFG-Anschlussförderung zu erhalten. (Katharina Santner/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12. 12. 2005)

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