Rumänien-Einstieg als Nervenprobe

21. Dezember 2005, 09:15
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Die Erste Bank steht gemeinsam mit spendablen Portugiesen im Finale um die rumänische Großbank BCR und überlegt nun, ob sie noch tiefer in die Tasche greifen soll

Wien - Immer fadenscheiniger wird das Nervenkostüm der Wettstreiter um die rumänische Banca Comerciala Romana (BCR), der Wiener Erste Bank und der portugiesischen Millenium BCP. Bereits zum dritten Mal hat die rumänische Privatisierungsagentur Avas, die knapp 62 Prozent der BCR verkauft, den Abgabetermin für das aller-, allerletzte Gebot verschoben, diesmal auf 20. Dezember. Es geht nur noch um den Preis.

Allerdings ist auch dieser Terminplan nicht fix, "es gibt keine Deadline für den BCR-Verkauf. Wir hoffen, dass wir bis Jahresende eine Entwicklung sehen, aber das heißt nicht, dass der Deal bis dahin abgeschlossen ist. Derzeit laufen die Verhandlungen", sagte ein Sprecher der Privatisierungsagentur zum STANDARD.

An der Schmerzgrenze

Die Wiener und Lissabonner haben idente und Seite für Seite paraphierte Verträge auf ihren Schreibtischen liegen, waren noch einmal in den Datenräumen. Dem Vernehmen nach bot Erste-Chef Andreas Treichl bisher um die 3,2 Mrd. Euro, was beinah dem Sechsfachen des BCR-Buchwertes entspricht und hart an der Schmerzgrenze der Erste Bank liegt. Allerdings: "Die Portugiesen brauchen die BCR sehr, sind schwer einzuschätzen und zum Pokern bereit", glaubt ein Banker.

Die Frage, ob Treichl sein Anbot für die Großbank mit ihren vier Millionen Kunden und fast 27 Prozent Marktanteil daher weiter aufbessern wird, ist sehr schwierig zu beantworten. Denn: Wie schnell sich das Megainvestment rechnet, hängt nicht zuletzt vom EU-Beitritt Rumäniens ab - und dann vom EU-Budget: Eine Reduktion der Strukturfonds würde Rumäniens Wirtschaft bremsen und müsste den Preis für die BCR eigentlich dämpfen. Für einen Involvierten steckt Treichl "im Dilemma: Bietet er weniger als die Portugiesen, bekommt er die Bank nicht, und die Erste käme an die Grenzen ihrer Wachstumsfantasie und ihr Nimbus wäre beschädigt. Ufert der Preiskampf aus, hätte Treichl zwar die Bank in der Tasche, aber um einen Preis, der zum Sündenfall werden könnte." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.12.2005)

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    Nur noch zwei Bieter sind im Rennen um die Privatisierung der rumänischen BCR: Die Erste Bank und die portugiesischen Millenium BCP.

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