"Linz wird unterbewertet"

13. Dezember 2005, 17:21
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Der Linzer Bürgermeister Franz Dobusch will eine Imagedebatte, "aber bitte mit Niveau" - ein STANDARD-Interview

Linz kämpft mit seinem Ruf, seit der "Spiegel" vom "Arsch der Welt" schrieb. Bürgermeister Franz Dobusch (SP) will eine Imagedebatte, "aber bitte mit Niveau", sagt er Markus Rohrhofer.

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Standard: Wie fühlt man sich als Bürgermeister vom "Arsch der Welt"? (Zitat "Spiegel")

Dobusch: Diese Äußerungen werde ich sicher nicht näher kommentieren, die sind mir einfach zu blöd.

Standard: Linz wird medial schwer geprügelt. Bangen sie um das Stadtimage?

Dobusch: Nein. Ich bin ja prinzipiell für eine niveauvoll geführte Imagedebatte, denn Linz hat weit höhere Qualitäten, als sie der österreichischen Bevölkerung bewusst sind. Linz ist die Stadt, die im 20. Jahrhundert am meisten verändert wurde, und sie hat daher keine kontinuierliche Entwicklung durchgemacht.

Standard: Ist Linz auf dem Weg von der Stahl- zur Kulturstadt stecken geblieben?

Dobusch: Wir haben diesen Weg erfolgreich absolviert. Heute bezeichnen wir uns mit Stolz als Stadt der Arbeit und Kultur.

Standard: In Linz beginnt's und im übrigen Österreich merken's nur wenige. Wieso verkauft man sich so unter Wert, wo liegt das Problem?

Dobusch: Es gibt leider Vorurteile, die sich bis heute hartnäckig halten. Linz hat über Jahrhunderte eine andere Ausstrahlung gehabt. Die fast über Nacht hereingebrochene Großindustrie mit den damaligen "Göring-Werken", der heutigen Voest, und der Chemie war auch in den Jahrzehnten nach Kriegsende der maßgebende Imagefaktor für Linz. Inzwischen haben wir aber vor allem im Bildungs- und Kulturbereich entsprechend nachgerüstet.

Standard: Warum entsteht dann dennoch so schnell ein Negativbild von Linz?

Dobusch: Der Spiegel-Artikel hat manche dazu gereizt, noch eins draufzulegen und die Stadt ein wenig damit zu ärgern. Es stimmt aber, dass unser Ruf schlechter ist als das, was Linz bietet. Längst beseitigte Altlasten wie etwa die schlechte Luft oder das ehemals sicher zu geringe Bildungsangebot wirken bis heute nach.

Standard: Linz 2009, das EU-Kulturhauptstadt-Projekt, soll also in erster Linie die letzten Flecken am neuen Linz-Image beseitigen?

Dobusch: Das Kulturhauptstadt-Jahr soll der Höhepunkt in der Stadt-Veränderung sein - deswegen haben wir uns beworben. Derzeit sind wir massiv unterbewertet, 2009 gibt uns die Chance der richtigen Bewertung.

Standard: Wenn man sich der Altlasten bewusst ist, hat man da nicht in den letzten Jahren zu wenig am Linz-Bild gefeilt?

Dobusch: Nein, es ist viel passiert. Allein im Bereich der Luftqualität liegen wir heute im Spitzenfeld. Faktum ist aber, es gibt nichts Schwereres, als ein bestehendes Image zu verändern.

Standard: Das Kunstmuseum Lentos hat sich vom Hoffnungsträger zum Sorgenkind entwickelt. Rechnen sie 2006 mit einer Trendwende?

Dobusch: Das Lentos ist kein Sorgenkind, architektonisch und städtebaulich hat es voll eingeschlagen. Die Frage der Programmierung ist jetzt neu gestellt worden und wir haben für 2006 den richtigen Weg eingeschlagen. (DER STANDARD Printausgabe, 10./11.12.2005)

Zur Person:

Franz Dobusch (54) steht seit 1988 als SPÖ-Bürgermeister der Stadt Linz vor.
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    foto: standard/rubra
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