G'rupftes Weihnachtsengerl

27. Dezember 2005, 20:34
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Die Organisatorin des Altwiener Christkindlmarkts auf der Freyung wurde heuer kalt erwischt: Ein Hürdenlauf der Genehmigungen

Wien – "Es ist halt kein Sauf- und Fressmarkt", wie Alexandra Holzer betont. Als Organisatorin des Altwiener Christkindlmarktes achtet sie streng darauf, dass "die Gastronomie nicht überhand nimmt": unter den 46 Ausstellern findet sich nur je ein Punsch-, Tee-, Glühwein- und Glühmoststand – und heuer erstmals die heiße Schokolade vom Zotter. Der Rest ist weitgehend dem Kunsthandwerk gewidmet. "Da gibt es keine Würstel – in jeder Hinsicht", versichert Holzer. Denn "es soll adventlich bleiben".

Motorsäge

Dazu noch zwei bis drei Kulturveranstaltungen pro Tag, der Kasperl kommt, es gibt gratis Basteln und Wachskerzen-Ziehen für Kinder – und ein "Extremkünstler" schnitzte zur Eröffnung mit der Motorsäge ein original großes Schaf. All dies auch für einen guten Zweck.

Neue Marktordnung 18 Jahre lang war es gelungen, den Altwiener Markt als Kontrapunkt zum großen Trubelmarkt am Rathausplatz zu organisieren – ohne allzu viel bürokratischen Aufhebens. Heuer, beim 19. Mal, hat es Holzer kurz vor Adventbeginn kalt erwischt. "Da jemand wegen der Vergabe beim großen Christkindlmarkt geklagt hatte, musste prompt die Marktordnung geändert werden."

Das hatte weit reichende Folgen für zwei Adventmärkte: Jenen am Rathausplatz und dem auf der Freyung. "Seit heuer sind wir auf einmal ein weiterer Gelegenheitsmarkt, der Jahr für Jahr neu ansuchen muss", berichtet Holzer, die jetzt, wo alles läuft, wieder langsam aufatmen kann. Denn diese Umstellung wurde per Bescheid erst am 15. Oktober endgültig fixiert.

Pkw genehmigen

Denn die "einfache" rechtliche Umstellung brachte mit sich, "dass alles auf einmal unglaublich aufwändig wurde. Reinigung, Müllabfuhr – das müssen wir jetzt alles selbst auf die Beine stellen. Früher hat das das Marktamt mitorganisiert." Jeder einzelne Pkw, der zum Aufbau kam, musste von der MA 46 genehmigt werden. Die Bühne, die seit 17 Jahren auf der adventlichen Freyung steht – muss über die MA 36 genehmigt werden. Binnen vier Wochen musste das alles über die Bühne gehen – wie etwa auch zusätzlich 100 Kilowatt Strom organisiert werden mussten.

"Das Leben ist schwerer geworden auf der Freyung", seufzt Holzer. Und teuerer: 15–20.000 Euro Mehraufwand brachte die neue Marktordnung für den Christkindlmarkt, der ohne Subvention abgewickelt wird.

Holzer war bereits dabei, als 1987 der erste Altwiener Markt auf Initiative der ÖVP- Politiker Jörg Mauthe und Robert Kauer organisiert wurde – damals noch auf dem Michaeler Platz. Im Vorjahr hat sie die Organisation wieder übernommen. Jetzt hofft sie, dass 2006 das 20. Jubiläum würdig begangen werden kann: "Man weiß ja nie, wir müssen ja jedes Jahr neu anmelden." (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe, 10./11.12.2005)

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    foto: standard/fischer
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