Blutgefäße aus Patientenzellen im Labor gezüchtet

12. Dezember 2005, 09:00
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Mediziner hoffen, mit dem Verfahren künftig voll funktionsfähige Venen und Arterien herstellen zu können

Dallas - Zwei Dialyse-Patienten aus Argentinien sind die Empfänger der weltweit ersten Blutgefäße, die aus eigenen Hautzellen in einem Labor gezüchtet wurden. Diese Technik könnte in Zukunft Patienten mit einer ganzen Reihe von Krankheiten helfen. Mediziner hoffen, mit dem Verfahren künftig voll funktionsfähige Venen und Arterien etwa für Diabetiker mit Durchblutungsstörungen oder auch für Bypass-Patienten herzustellen. Da dafür keine Stammzellen benötigt werden, ist die Technik weder politisch noch ethisch umstritten.

Proben mit Wachstumsfaktoren genährt

"Wir halten das für außerordentlich vielversprechend", sagt Elizabeth Nabel, die Leiterin des amerikanischen Nationalen Instituts für Herz, Lungen und Blut. "Viele Patienten könnten nach unserer Meinung von aus Gewebe gezüchteten Blutgefäßen profitieren."

Cytograft Tissue Engineering heißt das kleine, bei San Francisco ansässige Unternehmen, das derzeit solche Blutgefäße aus Zellen von Patienten herstellt. Den Betroffenen werden gewöhnlich vom Handrücken ein wenig Haut und ein kleines Stück Vene entnommen. Diese Proben werden im Labor mit Wachstumsfaktoren genährt und produzieren Stoffe wie etwa Collagen und Elastin, die dem Gewebe Form und Struktur verleihen. Letztlich werden zwei Arten von Gewebe gezüchtet. Eines gibt die grobe Struktur des Blutgefäßes wieder, das andere kleidet diese dann aus. Aus dem Gewebe werden schließlich 15 bis 20 Zentimeter lange Blutgefäße geformt.

Der gesamte Prozess dauert gegenwärtig sechs bis neun Monate. Eine kommerzielle Fertigung in größerem Rahmen dürfte diesen Zeitraum nach Einschätzung von Forschern aber noch verkürzen. Die Kosten liegen voraussichtlich unter 9.000 Euro.

Vorteil gegenüber "Plastikstücken"

Zugute kommen dürfte die Entwicklung etwa Menschen, die sich wegen Nierenproblemen regelmäßig einer Dialyse unterziehen müssen. Allein in den USA sind davon 285.000 Personen betroffen. Für die Blutwäsche werden in der Regel drei Mal wöchentlich Arterien und Venen punktiert, so dass viele Dialyse-Patienten nach einer gewissen Zeit kaum noch gesunde Blutgefäße haben. Der Einsatz synthetischer Blutgefäße ist zwar möglich, aber mit Komplikationen behaftet. "Lebendes biologisches Gewebe hat die Fähigkeit zu verheilen, Plastikstücke nicht", so der Forscher und Mitbegründer von Cytograft Tissue Engineering, Todd McAllister.

Bislang ohne Komplkationen

Als erste Patientin erhielt im vorigen Mai eine 56 Jahre alte Frau aus Buenos Aires die aus Eigenzellen gezüchteten Blutgefäße eingepflanzt. Als zweiter Patient folgte im September ein 61-jähriger Mann. Die seitdem erfolgten, regelmäßigen Punktierungen zur Dialyse verliefen bisher ohne Komplikationen.

Die Entwicklung kann auch bei Diabetikern mit Problemen der Blutzirkulation die Amputation von Gliedmaßen wie etwa von Beinen verhindern. Die gezüchteten Blutgefäße sollen zudem auch Patienten zugute kommen, denen eine Bypass-Operation bevorsteht, die aber kaum über brauchbare Venen und Arterien verfügen. Beide Einsatzmöglichkeiten sollen nun an jeweils 25 Patienten in Argentinien und England erprobt werden. (APA/AP)

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