Kein Heilmittel in Sicht, verfügbare zu teuer

2. Juni 2006, 16:57
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Bilanz der Internationalen Aids-Konferenz im nigerianischen Abuja: Kaum Chancen für Patienten in den Entwicklungsländern

Abuja/Nairobi - Für die Immunschwäche Aids ist weiterhin kein Heilmittel in Sicht, und Viren hemmende Medikamente sind für die meisten HIV-Infizierten nicht zugänglich. Das ist die nüchterne Bilanz der Internationalen Aids-Konferenz, die am Freitag im nigerianischen Abuja endet. "Auf dem Papier gibt es zwar noch einige Ideen, ein biologisches Heilmittel zu finden, aber bisher ist daraus weder in Amerika etwas geworden, geschweige denn in Afrika", sagte Robert Gallo, einer der Entdecker Aidsvirus, während der Konferenz. Er wollte keinen Zeitrahmen nennen, in dem mit einem Impfstoff zu rechnen sei.

Rettungsanker werden nicht geworfen

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen beklagte erneut, dass die neueren Medikamente noch immer nicht in Afrika auf dem Markt seien. So werde in den USA neuerdings ein Viren hemmendes Mittel produziert, das anders als frühere Mittel ohne Kühlung aufbewahrt werden kann. So ein Medikament wäre in Afrika, wo es häufig Stromausfälle gibt, höchst willkommen. "Der Hersteller Abbott hat leider noch nicht erkennen lassen, ob er das Medikament in Afrika auf den Markt bringen will", kritisierte eine Sprecherin der Organisation.

Kritik kam auch vom Programm der Vereinten Nationen zur Aidsbekämpfung (UNAIDS). "Es gibt jede Menge Akteure und Finanzquellen, aber keine Koordination", sagte Michel Sidibe von UNAIDS. "Es wird mehr Zeit damit verschwendet, Berichte zu schreiben und um Spenden zu betteln, als damit Projekte umzusetzen", fügte er hinzu.

Vergabe an einen geringen Teil der Erkrankten

Nach Angaben der Vereinten Nationen leben in Schwarzafrika nur etwa zehn Prozent der Weltbevölkerung, aber 60 Prozent aller HIV- Infizierten. Bei der vergangenen Internationalen Aids-Konferenz 2003 in Nairobi wurde beschlossen, dass bis zum Jahr 2005 etwa drei Millionen Infizierte mit Viren hemmenden Medikamenten versorgt werden sollen. Von diesem Ziel musste man sich bald verabschieden. Derzeit erhalten etwa eine halbe Million Menschen die Arzneimittel. (APA/dpa)

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    Afrika als vernachlässigter Kontinent bei Verteilung der neueren Medikamente: Derzeit erhalten etwa eine halbe Million Menschen die Arzneimittel.

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