Skoceks Zeitlupe: Herbergssuche

9. Dezember 2005, 15:39
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Die Bundesliga sucht einen Nachfolger für Stronach - Rudolf Streicher wäre im Sinne der austro-ballesterischen Sozialpartner­schaft der ideale Kandidat

Die Fußball-Bundesliga sucht einen Nachfolger für ihren Ex-Präsidenten Frank Stronach. Rudolf Streicher wäre im Sinne der austro-ballesterischen Sozialpartnerschaft der ideale Kandidat. Streicher führte von 1999 bis 2001 die ÖIAG, bis die schwarz-blaue Regierung ihn absägte und den Vierjahresvertrag von kolportierten 1,5 Millionen Euro auszahlen musste. Die Austria übergab er nach einer kurzen Präsidentschaft ("Unser Ziel ist der zweite Platz") praktisch bankrott an Stronach.

Was nur fair war, schließlich hatte der kurz zuvor die Steyr-Werke hinter dem Rücken des Steyr-Chefs Streicher und mithilfe des Präsidenten des Vereins der Freunde der Nationalmannschaft, Franz Vranitzky (SPÖ), gekauft. Michael Häupl (SPÖ), der Kuratoriumsvorsitzende der Austria, ist bis heute entzückt, schließlich soll Stronach in Rothneusiedl so investieren, dass die Austria was davon hat.

Streicher baut (M 1) solide Dieselmotoren und hat Zeit, Geduld und Sitzungsroutine, um Duodezfürsten wie Didi Mateschitz, Hannes Kartnig, Rudolf Edlinger, Franz Grad oder Martin Pucher vom hochfliegenden Teppich ihrer Pläne (Champions League, Lizitieren der TV-Rechte, EM-2008-Semifinale) auf den Rasen der Realität (16er-Liga, ORF, Euro-Team mit elf Gesunden) zu holen.

Jeder der Klubchefs außer Krösus Mateschitz ist mit dem Überleben seines Vereins ausgelastet. Keiner verfügt über die Verbindungen oder die Finanzkraft, der Liga zu helfen. Stronach hat die Kickerei ein wenig aus dem Geflecht der Staatswirtschaft herausgeholt. Spannend, aber gefährlich. Der Winter steht vor der Tür, Zeit, zurück ins warme Nest zu kriechen und den irritierend offenen Kamin zu schließen. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 9. Dezember 2005, Johann Skocek)

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