Zum Lachen und zum Weinen

16. Dezember 2005, 10:58
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Was von Rapid übrig bleibt, wird sich weisen - Die Champions League wurde mit 1:3 gegen Juve, der sechsten Niederlage, abgehakt

Wien - Der Lachkrampf war überhaupt nicht geplant, er ist einfach passiert. Schließt man die Champions League mit einen 1:3 gegen Juventus Turin und genau null Punkten ab (als einziges von 32 Teams), ist das nämlich begrenzt lustig. Die Dolmetscherin (deutsch-italienisch und umgekehrt), deren Zukunft sich vermutlich weit rosiger gestalten dürfte als jene von Rapid, wollte Scheintote gewiss nicht treten. Schuld daran war Josef Hickersberger, der in der Analyse folgendes von sich gab: "Der gravierendste Unterschied ist, dass Klassespieler Situationen früher erkennen. Es war schlimm, wie viele dumme Tore wir kassiert haben. Wir müssen im Kopf etwas ändern. In Österreich muss man lernen, beim Laufen schneller zu denken."

Worauf es um die nette Dame geschehen war, mit letztem Einsatz konnte sie den Fall vom Sessel und unters Pult vermeiden. "Ich stelle mir gerade bildlich vor, wie man das trainiert." Hickersberger krampfte vor Vergnügen mit.

Zuvor wurde zum sechsten Mal die Leier gespielt, man sei eben nicht reif genug gewesen, habe zudem in einigen Partien ein bisserl Pech gehabt. "Es ist mir selbst schon langweilig", sagte Verteidiger Markus Katzer, und es klang wie eine Erlösung. "Es geht nun darum, wie wir die Erfahrungen positiv umsetzen. Da muss jeder seinen eigenen Weg finden." Juve hatte von der 35. bis zur 45. Minute die drei Tore erzielt, was sogar Katzer als direkt Beteiligtem irgendwie entgangen ist. "Wir alle merkten nicht einmal, was da mit uns geschieht." Alessandro Del Piero löste die Depression aus, sein Freistoß aus kaum 33 Metern flatterte und kurvte ins Tor. Rapids Mauer stand zwölf Meter weit weg, 9,15 hätten allemal gereicht. Tormann Helge Payer ließ sich übertölpeln, Klassespieler denken eben schneller. "Mein Fehler, diesen Freistoß hat Del Piero erfunden."

Andere Mannschaften haken die Champions League einfach nur ab, Rapid droht immerhin zu zerfallen. Vier Millionen Euro wurden verdient, mit dieser Summe sind die nächsten beiden Budgets abgesichert. Der Klub kann die elf Millionen halten, Perspektiven schauen anders aus. Kapitän Steffen Hofmann hat die Nase voll, vielleicht wird er schon im Winter abhauen. "Keine Ahnung, wohin die Reise führt." Andreas Ivanschitz liebäugelt mit einem Wechsel zu Red Bull Salzburg, dort kann er schätzungsweise das Dreifache verdienen.

Der neue Trainer Georg Zellhofer soll dem Vernehmen nach trotzdem nicht von Krämpfen gebeutelt sein. Gemeint sind natürlich jene, die das Weinen verursacht. Denn über Rapid lacht man nicht. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 9. Dezember 2005, Christian Hackl)

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    Ivanschitz (li), Hlinka und Dober (re) treten von der großen Bühne ab. Die Resultate waren schlimmer als die Leistungen. Immerhin, aber auch egal.

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