Trebernbrände für Mann und Frau

20. August 2007, 13:15
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Über die Ergebnisse einer Grappa-Verkostung unter besonders glücklichen Umständen: Gute Brenner destillieren beste Trebern von schönen Weinen

Die Zeit, als aus den Rückständen der Weingewinnung ein derber Bauern- und Soldatenschnaps gemacht wurde, ist ja schon eine Weile vorbei. Heute funkelt der Trebernbrand in quasi weihnachtlichem Glanz.

Die Schnapsjury jedenfalls, die kürzlich im Palais Coburg tagte und sich mit Trebernbränden befasste, war – um auf einer eher sachlichen Ebene zu bleiben – sehr angetan von dem, was ihr da in einer Blindverkostung vorgesetzt wurde. Von vielschichten Aromen, die sich wunderbar harmonisch verbinden und zu einem einheitlichen, körperreichen Destillat verdichten, war da ebenso die Rede wie von fruchtig-eleganten Zitrusnoten mit femininer Eleganz oder – praktisch als Gegenteil davon – von opulenter, sehr maskuliner Kraft und Athletik, die sich zu einem richtigen Machoschnaps ausgeformt haben. Alles da also, in so einer richtigen Grappa, wenn sie von den richtigen Leuten gebrannt wurde.

Eine Entdeckung...

Wer diese „richtigen Leute“ sind, die sich um die Verarbeitung der Pressrückstände des Weinmachens kümmern, ist in dieser Verkostung auch deutlich geworden. Dabei wundert es nicht so sehr, dass „alte Meister“ des Schnapsbrennens wie Vittorio Capovilla und Alois Gölles ganz oben auf den Stufen des Trebern-Stockerls zu stehen kamen, als dass auch der eine oder die andere Neuentdeckung aufzuspüren waren. In erster Linie gilt diese Entdeckung den neuen Trebernbränden von Josef Schmutzer, der nebst seiner Haupttätigkeit als Chef eines feinen Landwirtshauses, das in Winzendorf nächst Wr. Neustadt steht und in dem Schmutzers Gattin Ute von gehobener Gasthausküche bis zu edlen Trüffelgerichten alles selber kocht, auch noch seine eigene, kleine, nichts desto weniger professionelle Schnapsbrennerei betreibt.

Josef „Pepi“ Schmutzer hat freilich, auch wenn der Name des Dorfes anderes suggeriert, keinen eigenen Wein. In und rund um Winzendorf nämlich wachsen die Trauben keinesfalls in einer Qualität, die den Ansprüchen des Schnapsbrenners auch nur im Ansatz gerecht würden. Also schwärmt er aus in naheliegende Gebiete, in denen dies der Fall ist: ins Burgenland vor allem, aber auch in die Thermenregion. Hier werden jene ausgepressten Traubenteile abgeholt und eingemaischt, die sich dann – nach vollendeter Gärung – in der kleinen Brennanlage in Schmutzers „Waschküche“ vergeistigen und wieder verflüssigen. Und nachdem Pepi Schmutzer keiner von der speed-kills-Fraktion ist, warten die Destillate in Ruhe ein paar Jahre ab, bevor sie in die Flaschen kommen.

Was dann herauskommt, sollte der geneigte Grappa-Kenner sowie die geübte Grappa-Liebhaberin echt selber mal probieren. Weißweintrebern kommen von Alphart (Rotgipfler), von Kollwentz (Sauvignon blanc) und von Umathum (Traminer), letzterer stellt auch die Trester seines Blaufränkisch zur Verfügung und das Haus Igler steuert jene vom Cabernet Sauvignon bei – jeder für sich eine Schönheit, manche eröffnen geradezu eine neue Dimension dieses alten Schützengrabenschnapses (siehe die „Kleine Geschichte der Grappa“).

...und alte Meister

Natürlich muss in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen werden, dass es die alten Meister dieses Genres waren, die für die Erhöhung eines Produkts aus der Abfallverwertung des Weinmachens zu einer edlen Spirituose mit festem Platz in den Schreinen der Gourmettempel gesorgt haben. Vittorio Capovilla, eloquenter Brennereistar aus dem Ursprungsland der Grappe, legt seit Jahren eine Reihe fröhlich-femininer Brände aus Trebern vor, und Alois Gölles hat sich in seiner mittlerweile rund 10jährigen Beschäftigung mit diesem Thema einen fixen Platz auf dem „Trepperl“ der besten Trebern-Brenner erarbeitet. Brände von beiden Produzenten können quasi ungschaut als Empfehlung vorgeschlagen werden, man/frau liegt da nie daneben, wenn es darum geht, einen, zwei oder drei gute Grappe zu trinken.

Ähnliches gilt auch für Markus Wieser aus Wösendorf, der bei all seiner Vielfalt an Spirituosen auch etliche reinsortige, hochkarätige Trebernbrände im Programm hat. Und zu guter Letzt darf auch noch auf einen richtigen Frauen-Grappa verwiesen werden, wie ihn Michaela Ehn aus Langenlois mit ihrem neuen Muskateller-Trebern aus dem Jahrgang 2004 vorzuweisen hat: frisch, fröhlich und sehr feminin!

PS.: Mit in die Verkostung eingebaut waren auch einige Brände aus Wein und aus Weintrauben, von denen die Besten ebenfalls im Ranking aufscheinen.

  • Ute und Josef Schmutzer
    foto: familie schmutzer

    Ute und Josef Schmutzer

  • Ludwig und Michaela Ehn
    foto: ehn

    Ludwig und Michaela Ehn

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