CIA führte italienische Behörden in die Irre

7. Dezember 2005, 15:04
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Washington Post: Bei Entführung Abu Omars bewusst Fehlinformationen gestreut

Mailand - Im Entführungsfall eines ägyptischen Imams durch CIA-Agenten Anfang 2003 in Italien hat der US-Geheimdienst laut einem Zeitungsbericht die italienischen Behörden bewusst in die Irre geleitet. Wie die "Washington Post" am Dienstag in ihrer Internetausgabe berichtete, täuschte die CIA die italienischen Ermittler im März mit angeblich seriösen Informationen, wonach der gesuchte Hassan Mustafa Osama Nasr alias Abu Omar in die Balkanregion geflohen sei.

Falsche Fährte

Die laut "Washington Post" vorsätzliche Lüge der CIA sollte die Italiener auf eine falsche Fährte locken und die Entführung Abu Omars durch CIA-Agenten in Mailand wenige Wochen zuvor kaschieren. Die Strategie sei mehr als ein Jahr lang aufgegangen, berichtete das Blatt unter Berufung auf italienische Justizdokumente und Gespräche mit Ermittlern weiter.

Italienischen Ermittlungen zufolge wurde der Ägypter, der Imam einer Mailänder Moschee war, am 17. Februar 2003 in der norditalienischen Stadt verschleppt und kurz darauf von der US-Luftwaffenbasis Aviano nach Ägypten geflogen. Dort wurde er vermutlich gefoltert. Seither stehe der 42-Jährige in Ägypten unter Hausarrest, berichtete die "Washington Post".

Im Frühjahr machte die italienische Justiz den Fall öffentlich. Justizdokumente jüngeren Datums zeigten jedoch erst, welche Auswirkungen der CIA-Einsatz auf die italienischen Ermittlungen gehabt habe, schreibt das Blatt. Der leitende Mailänder Staatsanwalt Armando Spataro sagte, die CIA-Aktion sei nicht nur ein "Verbrechen gegen die italienische Souveränität und die Menschenrechte" gewesen.

Sie habe zudem die "Antiterror-Bemühungen in Italien und Europa ernsthaft beschädigt". Wäre Omar nicht entführt worden, wäre er nun Angeklagter in einem legalen Verfahren und säße im Gefängnis. Außerdem hätten die Ermittler möglicherweise Komplizen aus seinem Umfeld identifizieren können, sagte Spataro.

Haftbefehle gegen CIA-Mitarbeiter

Seit Juli erließ die Mailänder Justiz dem Bericht zufolge 22 Haftbefehle gegen CIA-Mitarbeiter in dem Fall. Demnach vermuten die italienischen Ermittler als Kopf des Einsatzes den CIA-Chef in Rom. Koordiniert worden sei die Entführung von Mitarbeitern der US-Botschaft.

Auslieferungsgesuche an die USA zur Überstellung von verdächtigen CIA-Mitarbeitern seien von Justizminister Roberto Castelli jedoch bislang nicht genehmigt worden, berichtete die Zeitung. Die Entführung belastet die Beziehungen zwischen Italien und den USA. Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte Ende Juni den US-Botschafter in Italien in der Angelegenheit einbestellt. (APA)

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