BA-CA bleibt bis auf weiteres im ATX

21. Dezember 2005, 14:51
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Streubesitz der BA-CA zwar stark geschrumpft, doch Börse passt Regelwerk an - HVB fliegt aus dem DAX

Wien - Anders als die HypoVereinsbank (HVB), die mit gestrigem Börsebeschluss per 19. Dezember aus dem deutschen Aktienindex DAX fliegt, kann die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) ihren Platz im Wiener Börse-Leitindex ATX noch eine Zeitlang behalten. Allerdings werden die Umsätze in BA-CA-Aktien in den nächsten Monaten - zunächst einmal bis März 2006 - von der Börse genau beobachtet.

Die BA-CA wurde mitsamt der Mutter HVB an die italienische UniCredit verkauft. UniCredit hat auch für den BA-CA-Streubesitz geboten. Seit zwei Wochen halten die Italiener 95 Prozent der BA-CA.

Heute, Dienstag, Abend tagt in Wien das "ATX-Komitee". Eine Herausnahme der BA-CA aus dem obersten Börsesegment des Wiener Marktes sei da kein Thema, hieß es zu Mittag von Seite der Wiener Börse zur APA. Wenn, dann könnte im März das nächste Mal zur BA-CA geurteilt werden. Dann wohl auf Grund der Handelsumsätze.

Üblicherweise standen Aktien, deren Streubesitz unter zehn Prozent fiel, für den ATX schon wegen sinkender free-float-Größen automatisch auf der Watchlist. Nun halten freie Aktionäre an der BA-CA nur mehr rund 5 Prozent.

Free Float Factor modifiziert

Schon im November hat das ATX-Komitee allerdings in einer eigens zur Bank Austria einberufenen Sonder-Sitzung den so genannten Streubesitzfaktor (Free Float Factor, zur individuellen Anpassung der Gewichtung einer Aktie im Index) für die Großbank modifiziert:

Dem geschrumpften Streubesitz entsprechend wurde bei der BA-CA der Streubesitzfaktor von zuvor 0,25 auf 0,1 herab gesetzt - wirksam seit 14. November 2005.

Im heutigen ATX-Komitee soll, im Gefolge der vorab getroffenen Regel-Modifikation für die BA-CA das "Index-Regelwerk" der Wiener Börse generell dahin gehend angepasst werden. Davon könnte als Nächste Generali betroffen sein, hieß es zur APA.

Der ATX enthält die 20 (derzeit 21) liquidesten und kapitalstärksten Aktien der Wiener Börse. Momentan beläuft sich die Gewichtung der BA-CA auf 2,8 Prozent. Sie rangiert damit an etwa zehnter Stelle. Herausgenommen wurde die Bank Austria-Aktie Mitte November 2005 bereits aus dem ATX-Five.

Aktien werden für den ATX nach ihrer Marktkapitalisierung gewichtet: Das heißt, Werte mit hoher Kapitalisierung und damit maßgeblichen Börsewerten haben stärkeren Einfluss auf den ATX. Der Streubesitz spielt zwar eine Rolle, er ist gerade bei der Bank Austria aber noch immer "schwer": Bei der BA-CA geht es bei rund 5 Prozent Streubesitz immerhin noch um rund 700 Mio. Euro.

Handelsumsätze unter Beobachtung

Genau beobachtet werden in den nächsten Wochen und Monaten nun die Handelsumsätze in Bank Austria-Aktien. Fallen diese stark zurück, so würde ein Abschied der Bank aus dem Leitindex wohl aus diesem Grund erfolgen. Das wäre, so hieß es in Wiener Marktkreisen, keine Überraschung. Die Aktie der BA-CA notierte heute, Dienstag, Mittag bei 94 Euro. Vor zwei Wochen hatte die Aktie über 100 Euro notiert.

Mit Ablauf der Übernahmefristen in der letzten Novemberwoche hielt UniCredit 94,99 Prozent an der Bank Austria - 77,5 Prozent kamen mit dem Besitz der Mutter HVB in italienischen Besitz. UniCredit-Chef Alessandro Profumo hat mehrfach erklärt, die BA-CA nicht von der Börse nehmen zu wollen.

Über die neue Struktur der BA-CA finden, nach einer Runde vorige Woche, diese Woche nun weitere Verhandlungen mit den Italienern statt. Dabei geht es auch um das komplexe Vertragswerk, das die Wiener vor gut fünf Jahren mit der HVB abgeschlossen hatten.

Kündigung Syndikatsvertrag

Laut "WirtschaftsBlatt" (Dienstagausgabe) soll noch im Dezember der Syndikatsvertrag gekündigt werden, durch UniCredit als Rechtsnachfolgerin der HVB. Damit können die Italiener rein grundsätzlich praktisch alle Vorstände und Aufsichtsräte in der BA-CA ernennen.

In Finanzkreisen wird gegenüber der APA davon ausgegangen, dass man eine Vertragskündigung wohl "im Paket" mit anderen Strukturfragen für Wien (Stichwort: Abspaltungen, aktuelle Vorstands-Beschickungen) lösen wird. Der frühestmögliche Stichtag zur Syndikatsvertragskündigung 8. Dezember würde bei Bedarf erstreckt.

Demnach wäre wohl auch eine Kündigung im Jänner oder Februar zulässig, um den Vertrag bis nächsten Dezember auslaufen zu lassen, wie heute verlautete. Damit würde die einjährige Kündungsfrist nicht mehr ganz so streng gesehen. (APA)

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