Pilot von iranischer Unglücksmaschine wollte nicht starten

13. Dezember 2005, 17:12
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Reparaturen unmittelbar vor Abflug - 108 Tote - zahlreiche Journalisten waren an Bord - Mit Grafik

Teheran - Der Pilot des iranischen Unglücksflugzeugs, das am Dienstag in ein Hochhaus in Teheran gestürzt war, wollte Presseberichten zufolge wegen technischer Mängel nicht starten. Die Frau eines der Opfer sagte der konservativen Tageszeitung "Hamschahri" vom Mittwoch, ihr Mann habe sie aus dem am Boden stehenden Flugzeug angerufen und berichtet, dass der Pilot der Militärtransportmaschine nicht starten wolle.

Reperaturen unmittelbar vor Abflug

Die Behörden müssten nun erklären, warum die Maschine mit stundenlanger Verspätung dann doch losgeflogen sei, schrieb das Blatt. Am Mittwoch wurde bekannt, dass die Hercules C-130 schon am Boden einen Defekt hatte. Eine Untersuchungskommission soll auf Betreiben der iranischen Justiz die Absturz-Ursache klären. Die Öffentlichkeit solle so schnell wie möglich über die Hintergründe des Absturzes informiert werden, meldete die iranische Rundfunksender Khabar am Mittwoch.

Der Luftwaffe warfen Angehörige vor, den Start der Maschine trotz des technischen Schadens frei gegeben zu haben. Unmittelbar nach dem Abheben habe der Pilot ein Problem an einem Triebwerk bemerkt, erklärten die Behörden. Es sei ihm aber nicht mehr gelungen, die Maschine auf dem Flughafen Mehrabad zu landen. Das Innenministerium nannte inzwischen einen technischen Defekt an einem der Triebwerke als Hauptgrund für das Unglück.

108 Tote

Jüngsten Angaben zufolge starben 108 Menschen, als das Flugzeug direkt nach dem Start vom Zentralflughafen der iranischen Hauptstadt wegen eines Triebwerkschadens abstürzte.

Ein Gerichtsmediziner wollte nicht ausschließen, dass die Zahl der Opfer noch steigen könnte. Ungefähr 20 Menschen lägen noch mit schweren Verbrennungen auf Intensivstationen. Nur 33 der bis zur Unkenntlichkeit verbrannten Toten seien bisher identifiziert worden. Bei den anderen seien die Behörden auf die Mithilfe der Verwandten angewiesen.

68 Journalisten an Bord

Unter den 84 Passagieren an Bord der Unglücksmaschine waren 68 Journalisten der staatlichen iranischen Medien, die über Militärübungen in der südöstlichen Stadt Scharbahar berichten sollten. Neben den Passagieren und zehn Besatzungsmitglieder kamen auch mehrere Menschen am Boden um Leben. Ein Vertreter des Militärs wies die in mehreren Zeitungen erhobenen Anschuldigungen zurück. Es handele sich um "Gerüchte", die nicht wahr seien, sagte ein General der halbamtlichen Nachrichtenagentur Mehr.

"Wie ein Erdbeben"

"Es war wie ein Erdbeben", sagte der Händler Resa Sadeki. Die Wucht des Aufpralls der Maschine habe ihn drei Meter weit in sein Geschäft geschleudert. Die Hitze und die Flammen seien "wie die Hölle" gewesen, berichtete der 25-Jährige weiter. Das Unglück ereignete sich im Viertel Towhid, einer Hochhaus-Siedlung für Angehörige der Streitkräfte.

Flugzeuge ohne Ersatzteile

Der Iran besitzt etwa 15 Maschinen vom Typ Hercules C130, die vor der Revolution 1979 in den USA gekauft worden waren und mittlerweile mehr als 30 Jahre alt sind. Wegen der Wirtschaftssanktionen gegen das Land fehlt es an Ersatzteilen. Die Hercules C130 war bereits mehrfach in tödliche Unglücke verwickelt.

Dicke Smogdecke

Auch am Mittwoch waren die Sichtbedingungen rund um den Flughafen Mehrabad weiter schlecht. Die Umweltbehörde verlängerte die höchste Stufe des Smog-Alarms. Schulen und Behörden sollten mindestens bis Donnerstag geschlossen bleiben. Das Arbeiterviertel Jaftabad, in dem die Maschine niederging, liegt seit geraumer Zeit unter einer dichten Smogdecke. (APA)

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    Rettungsarbeiten beim betroffenen Gebäude in Teheran

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    Die Luft in Teheran zählt zu den verschmutztesten der Welt

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