UNO-Beauftragter: G-8-Staaten halten Zusagen nicht ein

2. Juni 2006, 16:57
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USA werden für ausschließlichen Einsatz patentgeschützter Originalmedikamente kritisiert

New York - Der UNO-Beauftragte für Aids in Afrika, Stephen Lewis, hat die G-8-Staaten für mangelnde finanzielle Unterstützung im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit kritisiert. Die acht Industrieländer hätten ihre Zusagen für Spenden nicht eingehalten, sagte Lewis anlässlich des Welt-Aids-Tages am Donnerstag in New York. Im weltweiten Fonds für den Kampf gegen Aids, Tuberkulose und Malaria fehlten in den nächsten zwei Jahren mehr als drei Milliarden Dollar (2,6 Milliarden Euro).

Dieses Defizit "wird in den kommenden Jahren für Millionen Menschen den Tod bedeuten, wenn nicht etwas Entscheidendes getan wird, und wenn es nicht schnell getan wird", betonte Lewis. Den G-8-Staaten gehören die Länder Deutschland, die USA, Japan, Großbritannien, Frankreich, Italien, Kanada und Russland an.

US-Initiative

US-Präsident George W. Bush kündigte am Donnerstag eine Initiative für Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen an, die in armen Ländern einen Großteil der Gesundheitsvorsorge leisten. Dadurch solle die US-Hilfe mehr Menschen erreichen und mehr Menschenleben retten. Im Jahr 2003 habe seine Regierung besonders von der Seuche betroffenen Staaten in Afrika, Asien und der Karibik für die kommenden fünf Jahre 15 Milliarden Dollar zur Aids-Bekämpfung zugesagt. Allein in der Südsahara hätten mit diesen Hilfen inzwischen rund 400.000 Menschen mit medizinischer Hilfe versorgt werden können, betonte Bush.

Kritik

Hilfsorganisationen kritisieren allerdings den Ansatz Washingtons, ausschließlich patentgeschützte Originalmedikamente einzusetzen. "Die Regierung Bush besteht darauf, die Profite der pharmazeutischen Industrie zu schützen, indem sie nur teure, patentierte Medikamente in seinen HIV/Aids-Behandlungsprogrammen anstelle von billigeren generischen Versionen einsetzt", erklärte Africa Action.

25 Millionen Menschen seien auf HIV/Aids-Medikamente angewiesen. Das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 2003 gesetzte Ziel, bis Ende dieses Jahres drei Millionen Menschen zu behandeln, werde wohl um eine Million verfehlt. (APA/AP)

US-Päsident George W. Bush hob in einer Rede im Weißen Haus die besondere Aufgabe seiner Regierung bei der Bekämpfung von Aids hervor. Die USA seien der stärkste Partner Afrikas im Kampf gegen die Seuche, sagte Bush.
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