Aids: Millionen ohne Hilfe

1. Dezember 2005, 10:02
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Aids breitet sich weltweit weiter aus -Internationale Gegenmaßnahmen bleiben hinter den Erwartungen zurück

Johannesburg/Wien – Bei der Bekämpfung der Immunschwächekrankheit Aids bleibt die Staatengemeinschaft hinter den selbst gesteckten Zielen zurück. Die Vorgabe der Weltgesundheitsorganisation (WHO), bis Ende des Jahres drei Millionen Aidskranke weltweit mit Medikamenten zu versorgen, werde um eine Million Patienten verpasst. Das geht aus einem Bericht der Initiative zur Behandlung von HIV-Patienten hervor, der am vergangenen Montag in Johannesburg veröffentlicht wurde.

Österreich vernachlässigt Pflichten

Als Gründe führt der Bericht neben bürokratischen Hürden in den Staaten und einer zunehmenden sozialen Stigmatisierung der Betroffenen vor allem die unzureichende Finanzierung an. „Leider muss daran erinnert werden, dass Österreich seinen Verpflichtungen nicht im zugesagten Ausmaß nachkommt“, kommentiert SPÖ- Entwicklungssprecherin Petra Bayr. Seit 2002 seien lediglich eine Million Euro an den Global Fund geflossen. Island habe im gleichen Zeitraum 15 Millionen beigesteuert.

China plus 50 Prozent

Auch in China ist das Virus auf dem Vormarsch. Am vergangenen Montag vermeldeten die Behörden dort einen 50-prozentigen Zuwachs der Neuinfektionen. Die Dunkelziffer könne noch höher sein, hieß es von offizieller Seite. Die WHO schätzt, dass sich allein in China bis 2010 zehn Millionen Menschen mit dem HI-Virus infizieren könnten. In Manila ermahnte WHO-Direktor Shigeru Omi die Staaten zur Einhaltung der UNO-Millenniumsziele.

Mehr Bestattungsinstitute als Lebensmittelläden

„Wir wissen, was funktioniert, warum werden die nötigen Maßnahmen nicht eingeleitet?“ Die österreichische Studentin Sonia Niznik unterrichtete im Sommer an einer Schule im Johannesburger Township Orange Farm. Sie zeichnet ein düsteres Bild: „In den Straßen gibt es mehr Bestattungsinstitute als Lebensmittelgeschäfte“, schildert sie ihre Eindrücke.

"Husten"

„Es herrscht Verdrängung.“ Die Leute würden vorgeben, man stürbe nicht an Aids, sondern an „Husten“. Oft sind Familien so dezimiert, dass Fremde an den Beerdigungen teilnehmen, um den Anschein einer intakten Familie zu erwecken. Genaue und vor allem unabhängige Zahlen über HIV gibt es nicht. „Kein Wissenschaftler geht in die Townships“, sagt Niznik.

Welch dramatischen Auswirkungen die Aids-Epidemie haben kann, hat auch der ORF-Journalist Rudolf Nagiller erfahren. Als Sonderbeauftragter der Unicef-Österreich hat er das südafrikanische Land Malawi besucht. „Dort besteht die Gefahr, dass eine ganze Generation wegstirbt.“ In Malawi ist die Hälfte der etwa zwölf Millionen Einwohner unter 18 Jahre alt. Manche Haushalte würden von Zehn- oder Zwölfjährigen geführt.

Dennoch ist Nagiller optimistisch: „Die schaffen es, wenn ihnen geholfen wird.“ Die Menschen seien „bitterarm, aber voll Kraft und Energie“. (APA, Reuters, ran, DER STANDARD Printausgabe, 30.11.2005)

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    Warten auf Hilfe: In Malawi droht die AIDS-Epidemie eine ganze Generation wegzuraffen

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