Gericht legt T-Online-Fusion mit Deutscher Telekom weiter auf Eis

6. Dezember 2005, 10:35
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Klagen zahlreicher Kleinaktionäre gegen den Zusammenschluss müssen erst abgewartet werden

Europas größter Internetanbieter T-Online darf vorerst nicht wieder in den Mutterkonzern Deutsche Telekom eingegliedert werden.

Klage abgewiesen

Das Landgericht Darmstadt wies eine Klage von T-Online auf sofortigen Vollzug der im April beschlossenen Verschmelzung zurück. Zunächst müssten die Klagen zahlreicher Kleinaktionäre gegen den Zusammenschluss abgewartet werden, entschied das Gericht. Die Aktien von T-Online legten deutlich zu.

Kleinaktionäre

Aus Sicht der Darmstädter Richter hat T-Online nicht ausreichend nachweisen können, dass ohne die Eingliederung derart schwere wirtschaftliche Nachteile drohen, die eine sofortige Eingliederung nötig machen würden. Eine sofortige Eintragung der Verschmelzung ins Handelsregister sei nicht mehr rückgängig zu machen und stelle einen schwer wiegenden Eingriff in die Rechte der Kleinaktionäre dar. Es stehe keineswegs fest, dass die Klagen von Kleinaktionären unzulässig und unbegründet seien, sagte die Vorsitzende Richterin Ursula Emmenthal. Die Klagen könnten möglicherweise erfolgreich sein, fügte sie hinzu.

Urteil prüfen

T-Online will das Urteil jetzt prüfen. Es sei denkbar, dass gegen die Entscheidung eine Beschwerde eingelegt werde. Der Anwalt der Kleinaktionäre, Peter Dreier, ging von einem solchen Schritt aus. "T-Online wird die für die Kleinaktionäre sehr gute Entscheidung kaum hinnehmen und Beschwerde beim Oberlandesgericht Frankfurt einlegen", sagte Dreier.

Etappensieg

"Die Entscheidung stärkt die Rechte der Kleinaktionäre und ist für uns ein glatter Etappensieg", fügte er hinzu. Dieselbe Zivilkammer werde auch im kommenden Frühjahr sich mit den Klagen in der Hauptsache befassen. Telekom-Vorstandschef Kai-Uwe Ricke werde sein Ziel, schon in diesem Jahr T-Online unter das Dach seines Konzerns zurückzuholen damit nicht erreichen. Im übrigen zeige der Erfolg von T-Online im dritten Quartal beim Verkauf von DSL-Breitbandanschlüssen, dass eine Verschmelzung mit der Telekom gar nicht notwendig sei.

Hintertreffen

Die Telekom und ihre Internettochter befürchten dennoch, dass sie ohne eine schnelle Integration von T-Online und der Festnetztochter T-Com vor allem auf dem Markt schneller Breitband-DSL-Anschlüsse ins Hintertreffen geraten könnten.

Aktien

Die Kleinaktionäre von T-Online hingegen fühlen sich durch das Umtauschangebot für ihre Aktien von lediglich 8,99 Euro benachteiligt. Denn beim Börsengang vor fünf Jahren kostete die T-Online-Aktie noch 27 Euro.

Am Dienstag legten die Papiere nach der Gerichtsentscheidung um knapp sechs Prozent auf 8,69 Euro zu. Händlern zufolge spekulieren Investoren, dass die Telekom die Abfindung für die T-Online-Aktionäre erhöhen muss. Die Aktien der Telekom notierten 0,5 Prozent schwächer bei 14,18 Euro.(Reuters/Apa)

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