Kommentar: Farce und Faxen mit ORF

9. Dezember 2005, 14:40
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200.000 bis 300.000 Stimmzettel werden erwartet. Kolportierte Kosten: 1,5 bis 1,7 Millionen Euro Gebührengeld - Von Harald Fidler

Wir erleben den derzeit originellsten Wahlkampf in der langen ÖVP- und ORF-Geschichte des Kurt Bergmann. Der 70-Jährige tourt durch Bundesländer, lässt Pressestellen rotieren, als ginge es um ein hohes Amt. Dabei bewirbt er sich um einen Sitz im Publikumsrat. Den nennt selbst dessen Vorsitzender "ein Gremium, das nicht viel zu reden hat". Daran änderte auch Bergmanns Wunsch nichts, dass ein direkt Gewählter den Vorsitz im Publikumsrat und im Programmausschuss des Stiftungsrates übernehmen müsste.

Natürlich geht es bei der Wahl um Bergmanns Mandat und möglichst mehr Schwarze im Stiftungsrat, der nächstes Jahr den ORF-General wählt. Doch dafür bräuchte der ORF-Pensionär nicht durchs Land fegen: Wird er nicht in den Publikumsrat gewählt, nominiert ihn eben die ÖVP für eines ihrer Regierungsmandate. Die besetzen Schwarz und Orange erst, wenn die heute beginnende Faxwahl zum Publikumsrat entschieden ist.

Kolportierte Kosten: 1,5 bis 1,7 Millionen Euro Gebührengeld<>

200.000 bis 300.000 Stimmzettel werden erwartet. Kolportierte Kosten: 1,5 bis 1,7 Millionen Euro Gebührengeld. Das ORF-Budget für 2005 sieht nur 700.000 vor. Wieder eine Finanzlücke auf dem Küniglberg. Und viel Geld für eine Mobilisierungsübung der Großparteien: Der weitaus größte Teil der Stimmzettel kommt aus den Partei- und parteinahen Organisationen, die eifrig Formulare bei ihren Mitgliedern absammeln.

Donnerstag berät der Verfassungsausschuss im Nationalrat eine Novelle zum ORF-Gesetz. Sie soll es der Anstalt ermöglichen, den Spartensender TW1 auch mit Gebühren zu finanzieren. Werbebeschränkungen werden zudem gelockert.

Eine prachtvolle Gelegenheit, dem ORF sparen zu helfen, statt ihm nur zusätzliche Gelder zuzuschanzen. Die Farce dieser Wahl zum Publikumsrat würde niemandem fehlen. (DER STANDARD; Printausgabe, 29.11.2005)

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