Bietern fehlt Garantie für Partnerschaft mit GE

8. Dezember 2005, 18:04
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Kritik auch an Due Diligence: Nicht genügend Einblick in die Bücher - Bieterkreise: Frist für verbindliche Angebote bis 16. Dezember verlängert

Wien - Unter den Interessenten für die VA Tech Hydro macht sich im laufenden Verkaufsprozess zunehmend Unmut breit. Kritisiert wird in Bieterkreisen, dass Siemens, der Verkäufer, in der Due Diligence nicht tief genug in die Bücher schauen lässt. Konkret angesprochen werden vor allem mögliche Risiken bei bestehenden Aufträgen der VA-Tech-Kraftwerkssparte. Siemens selbst hält sich dazu bedeckt: "Kein Kommentar."

Daneben haben die Bewerber nach eigenem Bekunden derzeit keine Garantie, dass der amerikanische Siemens-Konkurrent General Electric (GE), bisher wichtigster Auftraggeber und Kooperationspartner in den Teilbereichen Turbogeneratoren und Gas-Kombi-Kraftwerke, nach dem Deal seine bereits ausgesetzten Geschäfte mit der Hydro wieder aufnimmt. Mit GE offiziell zu verhandeln, sei per Vertraulichkeitserklärung untersagt worden.

Ohne Technologiepartner wackelt aber der steirische Hauptstandort Weiz (und mit ihm rund 450 Jobs). "In diesem Zuschnitt macht ein Kauf wenig Sinn", wie aus Bieterkreisen zu hören ist. Immerhin hat Siemens bei der Übernahme des VA-Tech-Konzerns eine Arbeitsplatz- und Standortgarantie gegeben - und verlangt diese auch vom künftigen Hydro-Käufer.

Dass sich einige Interessenten aus dem Bieterrennen wieder zurückziehen könnten, wird in gut unterrichteten Kreisen nicht ausgeschlossen. Dem Vernehmen nach läuft die Frist für die Abgabe unverbindlicher Angebote nun bis 16. Dezember, ein paar Tage länger als bisher vorgesehen. Ursprünglich war gerüchteweise davon ausgegangen worden, dass Siemens Österreich bereits in seiner Aufsichtsratssitzung am 13. Dezember entscheidet, wer in der Finalrunde mitmischen darf. Geplant ist, zwei Kandidaten in einem Stechen gegeneinander antreten zu lassen. Der Startschuss für dieses Duell könnte noch vor Weihnachten fallen.

Zunächst fünf Bieter auf Shortlist

Wie berichtet hat Siemens zumindest fünf Bieter, die namentlich bekannt sind, auf die Shortlist gesetzt. Dazu zählen der Grazer Anlagenbauer Andritz, der Industrielle Hannes Androsch, der britisch-amerikanische Finanzinvestor First Reserve, eine Gruppe um die Cross Industries von KTM-Chef Stefan Pierer (mit der UIAG und der Porr an Bord) sowie ein von der deutschen Allianz geführtes Konsortium, dem die österreichischen Bauunternehmer Soravia und Ex-Dorotheum-Manager Martin Ohneberg angehören. In der ersten Runde bereits ausgeschieden ist der österreichische Industrielle Mirko Kovats.

Dass der Verkauf der Hydro, den die EU-Wettbewerbshüter Siemens als Bedingung für die Übernahme der VA Tech gestellt haben, zum Flop wird, gilt als unwahrscheinlich. Siemens ist durch den "befreundeten" Versicherungskonzern Allianz, einen seiner größeren Aktionäre, abgesichert. Das Allianz-Konsortium soll den Deal retten, falls wider Erwarten alle anderen Interessenten doch noch abspringen.

Zeit, die Hydro an den Mann zu bringen, hat Siemens jedenfalls bis März 2006. Erst da endet die von Brüssel vorgegebene achtmonatige Frist für den Verkauf. Siemens selbst hat wiederholt erklärt, den Deal Anfang 2006 besiegeln zu wollen. "Heuer wird es mit Sicherheit keine Entscheidung mehr geben", heißt es auch in Bieterkreisen.

Verkaufen will Siemens die VA Tech Hydro wie bisher angekündigt im Gesamtpaket. Das sind neben der Wasserkraftsparte auch der Bereich Gas-Kombi-Kraftwerke und die Fertigung für Turbinen und Generatoren. In den Angeboten müssen diese Unternehmensteile gesondert ausgepreist werden. Der Gesamtverkaufserlös wird auf bis zu 300 Mio. Euro geschätzt.

2004 machte die Hydro mit 3.000 Mitarbeitern 884 Mio. Euro Umsatz, der operative Gewinn (Ebit) lag bei 27 Mio. Euro. Für 2005 muss das Unternehmen seine Ergebniserwartungen laut Insidern deutlich nach unten korrigieren, berichtete die Printausgabe des "Standard" am Wochenende. Als Betriebsergebnis vor Abschreibungen (Ebita) würden nur mehr 19,9 Mio. Euro eingestellt - nach 32,4 Millionen im Vorjahr.

Rote Zahlen schreibe demnach der kalorische Kraftwerksbau (Combined Cycle), was vor allem daran liege, dass die Partnerschaft mit Partner General Electric auf Eis liege und keine Aufträge hereinkämen, so das Blatt. Die Wasserkraft selbst dürfte heuer nur mehr rund 21,5 Mio. Euro Ebita auf die Waage bringen, nach 26,6 Mio. Euro im Jahr davor. Erholt habe sich nur die Turbogeneratorenfertigung. Sie kommt laut "Standard" nach minus 3,3 Mio. Euro mit 2,3 Millionen wieder ins Plus. (APA)

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