US-Truppen: Keine Leichenschändung

27. November 2005, 16:39
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Verbrennung von Taliban-Leichen laut Bericht aus hygienischen Gründen - Soldaten sollen Rüge erhalten

Kandahar - Knapp zwei Monate nach der Verbrennung von Leichen afghanischer Taliban-Kämpfer durch US-Soldaten haben die Streitkräfte am Samstag eine absichtliche Missachtung islamischer Bestattungsvorschriften ausgeschlossen. Eine ausgiebige Untersuchung des Vorfalls von Anfang Oktober habe gezeigt, dass die Soldaten die Leichen lediglich aus hygienischen Gründen verbrennen wollten, erklärte der für die Militäreinsätze in Afghanistan zuständige US-Kommandant Jason Kamiya auf einer Pressekonferenz in Kandahar.

Die vermutete Leichenschändung hatte in der arabischen Welt Abscheu und Entsetzen ausgelöst. Der australische Sender SBS hatte ein Video eines freien Journalisten ausgestrahlt, auf dem amerikanischer Soldaten zwei getötete Taliban verbrannten und anschließend Bewohner eines nahe gelegenen Dorfes mit ihrer Tat gezielt provoziert haben sollen. Der Islam verbietet die Verbrennung von Toten.

Vier Soldaten müssten wegen des Zwischenfalls mit disziplinarischen Maßnahmen rechnen, sagte Kamiya weiter. Die beiden, die die Verbrennung der Leichen angeordnet hätten, würden wegen eines Mangels an kulturellem und religiösem Verständnis gerügt. Die Männer hätten aber nicht gewusst, dass sie etwas Falsches taten, betonte Kamiya. Zwei weitere Soldaten, die über Lautsprecher Schmähungen verbreiteten, sollten ebenfalls gerügt werden und würden interne Strafen wie eine Gehaltsreduzierung oder Degradierung erhalten.

Die Ermittlungen hätten ergeben, dass es "keine Absicht gab, die Leichen zu schänden, sondern sie aus hygienischen Gründen zu beseitigen", erklärte Kamiya. Die Leichen hätten nach 24 Stunden und bei Temperaturen von 33 Grad Celsius bereits begonnen zu verwesen.

Bereits wenige Stunden nach der Ausstrahlung des Videos hatten die US-Truppen eine Untersuchung des Vorfalls angekündigt. Auch eine vom afghanischen Präsidenten Hamid Karzai angeordnete Untersuchung ist inzwischen abgeschlossen. Die Ergebnisse wurden bisher aber noch nicht veröffentlicht. (APA/AP)

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