Zucker: Die Würfel sind gefallen

8. Dezember 2005, 18:33
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Österreich will Produktion gleichhalten - 3800 Euro Minus pro Hof

Wien - Österreich will nach der am Donnerstag beschlossenen europaweiten Zuckermarktreform weiter an seinem bisherigen Produktionsrahmen fest halten. Anders Irland, Finnland, Griechenland oder Italien, die teilweise oder ganz aussteigen werden.

Die kommenden Preissenkungen für Rüben um knapp 40 Prozent bekommen die Bauern, die weiter Rüben anbauen, teilweise abgegolten. Die Einkommenschnitte für österreichische Bauern werden von Ernst Karpfinger, obersten Rübenbauernvertreter, mit rund 3800 Euro weniger pro Betrieb und Jahr beziffert, inklusive der angekündigten Kompensationszahlungen.

Dieser Einkommensverlust werde ein Drittel der 9400 Betriebe besonders treffen. Der für Österreich ausgehandelte Sondertopf mit neun Mio. Euro wird deshalb in Regionen und Maßnahmen fließen, wo es Strukturprobleme gibt, etwa aufgrund kleiner Betriebsgrößen oder aufgrund von weiten Transportwegen, kündigt Landwirtschaftsminister Josef Pröll an.

Eine bereits des öfteren angedachte Schließung einer der drei heimischen Zuckerfabriken sei aus dem ausgehandelten Reformpaket "nicht ableitbar", sagte Pröll. Trotzdem könnte Hohenau in Niederösterreich geschlossen werden; eine Entscheidung dazu wird im Februar getroffen, so Agrana-Chef Johann Marihart.

Restrukturierungsfonds

Die Länder, die sich für einen Ausstieg oder eine Teilaufgabe ihrer Zuckerproduktion entschließen, werden ab 2006/07 aus dem Restrukturierungsfonds bedient, der mit rund fünf Mrd. Euro dotiert ist. Die Mittel für diesen Topf kommen einerseits aus den EU-Agrarförderungen, die durch eine Zurücknahme der Produktion frei werden, etwa durch einen Wegfall der Exportstützungen.

Andererseits zahlt in diesen Topf die verbleibende Zucker-verarbeitende Industrie ein (in Österreich etwa Agrana), da diese Betriebe in den Genuss niedrigerer Rohstoffkosten kommen. Österreich, das seine Zuckerquote beibehält, kann diesen Topf nicht anzapfen.

Die große Unsicherheit bei der Reform liegt nun darin, dass nicht vorhergesagt werden kann, wie viele Bauern in der EU von den Ausstiegsprämien des Restrukturierungsfonds Gebrauch machen werden. Zwingend ist es nur für Bauern, wo auch die Zuckerfabriken aufgelassen werden.

Die ersten zwei Jahre (der vierjährigen Umstrukturierungszeit) wird pro nicht produzierter Tonne 730 Euro an die aussteigende Industrie/ Bauernschaft einmalig ausgezahlt; danach reduziert sich der Satz auf 625, dann 520 Euro. Schneller Entschluss zum Ausstieg wird also belohnt.

Trotzdem können die Experten nicht absehen, ob die Reform so greift, dass schlussendlich acht der knapp 20 Mio. Tonnen Zucker aus dem Markt fallen. Ein Export von eventuellen Überschüssen ist in der Restrukturierungsphase aufgrund des Entscheids der Welthandelsorganisation vom April nicht erlaubt. (ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26./27.11.2005)

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