Einfach zum Rumkugeln

19. Juni 2007, 09:45
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Rum assoziiert man hier zu Lande vorzugsweise und blitzartig mit "-kugeln", "Tee mit" oder "Inländer-". Ein Test

Was dieses Destillat solo kann, versuchte der Standard im freudvollen Selbstversuch herauszufinden. Von Luzia Schrampf und Vene Maier.


Rum als Bestandteil von Drinks mit Quasten und Pommeln, als Tee-Turbo oder auch als Befeuerungsmittel für Feuerzangenbowlen ist genau genommen seltenst Rum, sondern ein Verschnitt aus Wasser und Neutralalkohol oder auch Kunst-Rum aus Branntwein und Karamell. So herzerwärmend er im Jagatee sein kann, pur ist diese Art von Rum völlig unbrauchbar. Denn Hochwertiges wird aus Rohstoffen wie Zuckerrohrsaft oder - weit häufiger - aus Zuckermelasse gewonnen und nach Vergärung und Destillation (je nach Tradition in Pot Still, also doppelgebrannt, oder in der Kolonne) so lange gelagert, bis es dem von Destillerie oder Händler erwünschten Geschmacksbild entspricht. Kleinere Häuser bieten individuelle, tendenziell rare und geschmacklich sehr subtile Produkte an, bei größeren Häusern weiß man dafür, was man bekommt. Dazu kommt, dass jede Rum produzierende Insel eigene Grundcharakteristiken hat, die sich aus den Erzeugungstraditionen ergeben.

Die Ausgangsbasis bei "Rhum agricole" ist reiner Zuckerrohrsaft, im Gegensatz zu "Rhum industriel", der aus Melasse erzeugt wird, aber meistens in kühlere Gegenden wie England, Schottland oder Frankreich transportiert wird, wo er durch Lagerung in einer ganzen Reihe von Fässern zum "Rhum traditionel" verfeinert wird. Die Bezeichnungen auf den Etiketten geben zwar einigen Aufschluss über das Alter des Inhalts, werden aber von den Produzenten nicht immer hundertprozentig genau eingehalten. "Einjährig" ist alles, was im Jahr der Produktion vor dem Stichtag 1. Juli abgefüllt wurde. "Paille" (frz. Stroh) ist strohfarbener Rum, der zwischen einem und drei Jahren gelagert wurde. "Rhum Vieux" ("Ron anejo") wurde mindestens drei Jahre in 650-Liter-Fässern gelagert. "Hors d'Age" ist zwischen "Rhum vieux" und "Rhum très vieux" (bzw. spanisch "Ron antiguo"), der zehn bis 15 Jahre in kleinen Fässern ruht.

Je heller der Rum, desto kühler sollte er getrunken werden, je dunkler, desto wärmer darf er sein, aber desto spürbarer ist auch der Alkohol. Üppige Süße macht einen Rum zwar leicht zugänglich und mollig, aber im Vergleich nicht ganz so spannend wie seine geradlinigeren Verwandten. Weißer Rum wird bevorzugt in seiner karibischen Heimat getrunken bzw. in aller Welt in Cocktails gemischt. Farbe generell sagt wenig bis gar nichts über die Qualität aus, denn auch weißer Rum kann gelagert worden sein. So mancher weiße Rum stach beim Test im Wohlgeschmack vordergründig Rumartigeres locker aus. Und bei gar nicht so wenigen Produkten wird der Farbe mit Zuckerkaramell auf die Sprünge geholfen.

Eingereicht und verdeckt verkostet wurden 32 Produkte, alle in Österreich erhältlich, wobei die Jury offensichtlich eine Vorliebe für den französischen Stil (Zuckerrohrsaft, sehr fruchtbetont) entwickelte. Der Alkohol der getesteten Produkte bewegte sich zwischen 40 und 50 Prozent, ist aber kein Gradmesser für Qualität. (DER STANDARD, Printausgabe vom 26./27.11.2005)

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  • Die Verkostung fand in der Roten Bar des Volkstheaters Wien statt.
    foto: der standard

    Die Verkostung fand in der Roten Bar des Volkstheaters Wien statt.

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