Akademikerbund will gesellschaftspolitisch mehr mitmischen

12. Dezember 2005, 16:14
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Neuer Chef Franz Fiedler will in gesellschaftspolitischen Fragen "unbequeme Meinung", aber auch Antworten liefern

Wien - Der ÖVP-nahe Akademikerbund (AB) will unter seinem neuen Chef, dem früheren Rechnungshofpräsidenten Franz Fiedler, gesellschaftspolitisch stärker mitmischen. In den vergangenen Jahren sei der Schwerpunkt der Tätigkeit in den Landesgruppen gelegen, nun wolle man auch auf Bundesebene stärker in Erscheinung treten, sich mehr in gesellschaftspolitische Fragen einbringen, meinungsbildend wirken und dabei auch Antworten liefern, sagte Fiedler im Gespräch mit der APA.

Neuer Chef Fiedler

Fiedler wurde vergangene Woche zum neuen Chef der 1953 vom damaligen Finanzminister Reinhard Kamitz gegründeten Vereinigung gewählt. Er löste in dieser Funktion den ehemaligen ORF-Fernsehintendanten Ernst-Wolfram Marboe ab. Den Akademikerbund sieht er "getragen vom christlich-humanistischen Weltbild", der "ÖVP nahestehend", aber dennoch "parteipolitisch unabhängig". So will er sich etwa in Fragen der Bildungspolitik "sicher nicht den parteipolitischen Standpunkt zu Eigen machen", aber den Akademikerbund "klar positionieren".

Jeder, der ihn kenne, wisse, dass er "unorthodoxe und unbequeme Meinungsäußerungen nicht scheut", sagte Fiedler. Und diese soll es in Zukunft nach seinen Vorstellungen u.a. zu den Themen Arbeitslosigkeit und deren Bekämpfung, Österreich als Asyl- und Einwanderungsland und Konsequenzen daraus für die demographische Entwicklung, Verhältnis Österreichs zur EU etwa in Fragen der Verfassung und der Erweiterung oder der Kulturpolitik (Fiedler: "Die Vergangenheit hat gezeigt, wie schwer sich eine bürgerliche Partei mit einer modernen Kulturpolitik tut") geben.

"Positive Vorbilder"

Die Möglichkeiten, den Akademikerbund in solchen Fragen zu positionieren, seien bisher nicht im ausreichenden Ausmaß genützt worden, meint Fiedler. Er verweist auf "positive Vorbilder" unter anderen Einrichtungen wie etwa die Caritas, "die dem Akademikerbund die Richtschnur vorgeben könnten, wie man agieren und gehört werden kann". Aus diesem Grund will Fiedler, dass sich der AB auch zu konkreten Fragen, die an ihn herangetragen werden, äußert, beispielsweise zu Gesetzesvorlagen.

Angesichts der großen Zahl an Akademikern in Österreich erhofft sich Fiedler von einer verstärkten Wahrnehmung des Bundes in der Öffentlichkeit auch einen höheren Mitgliederzustrom. Derzeit hat der Akademikerbund rund 4.000 Mitglieder. (APA)

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