AKP-Staaten bitter enttäuscht

8. Dezember 2005, 18:33
7 Postings

Die Länder Afrikas und der Karibik sehen sich als Verlierer der Zuckermarktreform und wollen Zucker als sensibles Produkt einstufen lassen

Port-Louis/Sydney - Die Länder Afrikas, der Karibik und des pazifischen Raums (AKP) sind nach eigenen Angaben bitter enttäuscht von der am Donnerstag vereinbarten Reform des EU-Zuckermarkts.

"Das ist ein wirklicher Keulenschlag für die Zuckerproduzenten der AKP-Länder", sagte der Landwirtschaftsminister von Mauritius, Arvin Boolell.

Boolell, der zugleich Sprecher der AKP-Zuckerproduzenten ist, kündigte an, die EU-Beschlüsse genau zu prüfen und sich anschließend an die Welthandelsorganisation (WTO) wenden zu wollen, um die Einstufung von Zucker als ein sensibles Produkt zu erreichen.

Privilegierter Zugang

Die AKP-Staaten genießen derzeit einen privilegierten Zugang zum EU-Markt. Mauritius, wo die Zuckerindustrie eine der tragenden Säulen der Wirtschaft ist, exportiert jährlich rund 550.000 Tonnen in die EU. Damit ist Mauritius im Rahmen eines Sonderprotokolls zwischen AKP-Staaten und EU der größte Zuckerlieferant für die Europäer.

Die EU-Agrarminister hatten sich am Donnerstag auf eine Reform ihrer beinahe 40 Jahre alten Vorschriften zum Schutz der Zuckerwirtschaft geeinigt. Demnach werden die den Bauern und Zuckerfabriken garantierten Preise drastisch gekürzt, Einkommensverluste aber teilweise ersetzt.

Die Reform sieht außerdem vor, dass die Importe aus ärmeren Ländern gedeckelt werden können. Nichtregierungsorganisationen hatten bereits von einem Betrug an den Entwicklungsländern gesprochen.

Australien zufrieden

Zufrieden mit der EU-Reform zeigte sich dagegen Australien. Es handle sich um einen Schritt in die richtige Richtung, sagte Handelsminister Mark Vaile. Australien hatte zu den Ländern gehört, die gegen die EU-Zuckermarktordnung vor die WTO gezogen waren. Diese hatte daraufhin das EU-System für unzulässig erklärt. (APA/AFP)

Share if you care.